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      <p begin="00:00:05.000" id="p0" end="00:00:09.132">[Musik]</p>
      <p begin="00:00:15.859" id="p1" end="00:00:19.718">[Sprecher:] Frühling 1981, X. Parteitag der SED</p>
      <p begin="00:00:19.743" id="p2" end="00:00:23.469">Unter den Gästen eine Frau, die erst seit einem Monat wieder in ihrer Heimat ist:</p>
      <p begin="00:00:23.494" id="p3" end="00:00:24.657">Christel Guillaume</p>
      <p begin="00:00:24.682" id="p4" end="00:00:27.369">[Erich Mielke:] Christel ich freue mich sie hier begrüßen zu können</p>
      <p begin="00:00:27.394" id="p5" end="00:00:32.869">in diesem [unverständlich] Republik, der zehnte Parteitag der gerade stattfindet.</p>
      <p begin="00:00:33.655" id="p6" end="00:00:35.655">Ein zeithistorisches Ereignis nich.</p>
      <p begin="00:00:36.600" id="p7" end="00:00:37.760">Wir haben uns viel gesorgt um dich,</p>
      <p begin="00:00:37.785" id="p8" end="00:00:39.000">haben dich Frei gekämpft.</p>
      <p begin="00:00:40.172" id="p9" end="00:00:41.172">Freuen uns</p>
      <p begin="00:00:41.556" id="p10" end="00:00:42.392">[Christel Guillaume:] Herr Minister, Danke.</p>
      <p begin="00:00:42.710" id="p11" end="00:00:46.060">[Erich Mielke:] freuen uns und besonders gerade hier in diesen Tagen,</p>
      <p begin="00:00:46.085" id="p12" end="00:00:48.100">hier das du miterleben konntest, nicht war ?</p>
      <p begin="00:00:48.898" id="p13" end="00:00:50.205">und Günter wird auch kommen,</p>
      <p begin="00:00:51.000" id="p14" end="00:00:52.000">Da sind wir schon feste dabei.</p>
      <p begin="00:00:52.578" id="p15" end="00:00:54.882">[Markus Wolf:] Sie steht ja hier für, auch für den Günter,</p>
      <p begin="00:00:54.907" id="p16" end="00:00:56.124">den Genossen Günter Guillaume</p>
      <p begin="00:00:56.149" id="p17" end="00:00:59.874">und viele andere Genossen, die weiter im Einsatz ihre Pflicht erfüllen.</p>
      <p begin="00:01:00.109" id="p18" end="00:01:03.827">Es ist natürlich besonders, also das wir Heute hier so zusammen sein können,</p>
      <p begin="00:01:04.203" id="p19" end="00:01:06.390">weil was haben wir alles getan, nich ihr wisst ja nich aber</p>
      <p begin="00:01:06.663" id="p20" end="00:01:08.851">manchmal Nachts nicht geschlafen hab, hab davon geträumt</p>
      <p begin="00:01:09.187" id="p21" end="00:01:11.429">wie ich es also so weit bekomme, dass ich euch Frei bekomme.</p>
      <p begin="00:01:11.897" id="p22" end="00:01:14.405">Also wer mit uns arbeitet, der ist nie verloren, nie vergessen.</p>
      <p begin="00:01:14.430" id="p23" end="00:01:17.085">[Motorengeräusche]</p>
      <p begin="00:01:17.296" id="p24" end="00:01:19.140">[Sprecher:] Das Wort des Ministers wird wahr.</p>
      <p begin="00:01:19.165" id="p25" end="00:01:22.562">Ein halbes Jahr später trifft auch Günter Guillaume in seine Heimat ein.</p>
      <p begin="00:01:22.587" id="p26" end="00:01:31.943">[Motorengeräusche]</p>
      <p begin="00:01:31.968" id="p27" end="00:01:33.883">Erste Umarmung der Kampfgefährten.</p>
      <p begin="00:01:33.908" id="p28" end="00:01:47.975">[Motorengeräusche]</p>
      <p begin="00:01:48.000" id="p29" end="00:01:49.000">Wagenwechsel.</p>
      <p begin="00:01:49.025" id="p30" end="00:01:49.896">[Motorengeräusche]</p>
      <p begin="00:01:49.921" id="p31" end="00:01:50.969">Sie mussten ihn hergeben.</p>
      <p begin="00:01:50.994" id="p32" end="00:02:21.828">[Motorengeräusche]</p>
      <p begin="00:02:21.853" id="p33" end="00:02:24.939">Generaloberst Wolf nimmt den Heimgekehrten in Empfang.</p>
      <p begin="00:02:25.405" id="p34" end="00:02:28.960">Zwei Männer die sich lange nicht gesehen haben und doch stets von einander wussten.</p>
      <p begin="00:02:31.198" id="p35" end="00:02:32.445">[Zuknallen der Autotüren]</p>
      <p begin="00:02:33.000" id="p36" end="00:02:34.000">[Markus Wolf:] Günter</p>
      <p begin="00:02:34.025" id="p37" end="00:02:35.025">[Günter Guillaume:] Mischa</p>
      <p begin="00:02:35.925" id="p38" end="00:02:37.465">[Markus Wolf:] Willkommen daheim.</p>
      <p begin="00:02:40.656" id="p39" end="00:02:42.656">[Günter Guillaume:] Danke dir, für alles.</p>
      <p begin="00:02:43.000" id="p40" end="00:02:44.322">[Markus Wolf:] Wir danken dir Günter.</p>
      <p begin="00:02:44.726" id="p41" end="00:02:46.205">Erstmal herzlich Willkommen.</p>
      <p begin="00:02:47.164" id="p42" end="00:02:48.951">Alles alles gute zu Hause.</p>
      <p begin="00:02:49.525" id="p43" end="00:02:52.366">Gut das die lange Zeit nun endlich zu Ende ist.</p>
      <p begin="00:02:52.391" id="p44" end="00:02:52.858">[Günter Guillaume:] Ja!</p>
      <p begin="00:02:53.578" id="p45" end="00:02:59.248">[Lachen]</p>
      <p begin="00:02:59.273" id="p46" end="00:03:00.273">[Sprecher:] Ihre Heimat</p>
      <p begin="00:03:00.508" id="p47" end="00:03:02.937">Wie lang haben beide Sie entbehren müssen</p>
      <p begin="00:03:03.468" id="p48" end="00:03:06.202">und wie viel haben sie in diesen Jahren für sie gegeben.</p>
      <p begin="00:03:08.578" id="p49" end="00:03:11.678">[Musik]</p>
      <p begin="00:03:11.703" id="p50" end="00:03:15.862">[Sänger:] Dies' Lied singe ich ganz gewöhnlichen Leuten,</p>
      <p begin="00:03:15.887" id="p51" end="00:03:19.173">die leben zurzeit im Abendland.</p>
      <p begin="00:03:20.143" id="p52" end="00:03:24.385">Wir nennen sie Kundschafter des Friedens.</p>
      <p begin="00:03:24.410" id="p53" end="00:03:27.877">die sind weder mir noch ihnen bekannt.</p>
      <p begin="00:03:29.149" id="p54" end="00:03:32.734">Genossen ihr werdet nicht oft besungen,</p>
      <p begin="00:03:32.759" id="p55" end="00:03:35.996">nun ja das wäre taktisch nicht klug.</p>
      <p begin="00:03:36.344" id="p56" end="00:03:40.205">Drum sei auch dies Lied recht schnell verklungen.</p>
      <p begin="00:03:40.448" id="p57" end="00:03:44.154">Wir wissen schon, was ihr für uns tut.</p>
      <p begin="00:03:47.109" id="p58" end="00:03:51.001">Genossen ihr führt einen Krieg für den Frieden.</p>
      <p begin="00:03:51.303" id="p59" end="00:03:54.826">Jede gediegene List ist gerecht.</p>
      <p begin="00:03:55.449" id="p60" end="00:03:59.226">Beschimpfen sie euch als Spione, Agenten</p>
      <p begin="00:03:59.434" id="p61" end="00:04:02.842">ihr Wortschatz war schon immer schlecht.</p>
      <p begin="00:04:04.249" id="p62" end="00:04:07.808">Genossen ihr werdet nicht oft besungen.</p>
      <p begin="00:04:07.833" id="p63" end="00:04:11.615">Nun ja, das wäre taktisch nicht klug.</p>
      <p begin="00:04:11.640" id="p64" end="00:04:15.147">Drum sei auch dies Lied recht schnell verklungen.</p>
      <p begin="00:04:15.360" id="p65" end="00:04:19.826">Wir wissen schon was ihr für uns tut.</p>
      <p begin="00:04:21.412" id="p66" end="00:04:24.888">Ihr lebt mit einem Lächeln zwei Leben</p>
      <p begin="00:04:25.262" id="p67" end="00:04:28.913">Wer gibt euch nur die Nervenkraft?</p>
      <p begin="00:04:29.604" id="p68" end="00:04:33.420">Wenn ihr einst euern Auftrag erfüllt habt.</p>
      <p begin="00:04:33.511" id="p69" end="00:04:37.258">Genossen, dann trinken wir Brüderschaft.</p>
      <p begin="00:04:38.477" id="p70" end="00:04:41.998">Genossen ihr werdet nicht oft besungen.</p>
      <p begin="00:04:42.023" id="p71" end="00:04:45.781">Nun ja, das wäre taktisch nicht klug.</p>
      <p begin="00:04:45.933" id="p72" end="00:04:49.655">Drum sei auch dies Lied recht schnell verklungen.</p>
      <p begin="00:04:49.900" id="p73" end="00:04:53.949">Wir wissen schon was ihr für uns tut.</p>
      <p begin="00:04:55.000" id="p74" end="00:04:57.700">[Sprecher:] In der Dienstversammlung des Ministeriums für Staatssicherheit</p>
      <p begin="00:04:57.725" id="p75" end="00:05:00.160">melden sich Christel und Günter Guillaume zurück.</p>
      <p begin="00:05:00.484" id="p76" end="00:05:03.497">[Erich Mielke:] Der bewaffneten Organen der Arbeiter und Bauern Macht</p>
      <p begin="00:05:03.931" id="p77" end="00:05:05.147">Verbunden mit den...</p>
      <p begin="00:05:05.172" id="p78" end="00:05:07.227">[Sprecher:] Der Minister würdigt ihre Verdienste.</p>
      <p begin="00:05:07.581" id="p79" end="00:05:16.975">[Applaus]</p>
      <p begin="00:05:17.000" id="p80" end="00:05:19.000">[Erich Mielke:] Liebe Christel und Günter Guillaume.</p>
      <p begin="00:05:20.000" id="p81" end="00:05:24.000">Ihr habt unter sehr komplizierten Bedingungen im Herzen des Gegners</p>
      <p begin="00:05:24.439" id="p82" end="00:05:28.137">mit eurer hingebungsvollen und erfolgreichen Tätigkeit,</p>
      <p begin="00:05:28.527" id="p83" end="00:05:34.506">ein äußerst wertvollen Beitrag zur Stärkung und Sicherung der deutschen demokratischen Republik,</p>
      <p begin="00:05:35.344" id="p84" end="00:05:39.456">für die sozialistische Staatengemeinschaft insgesamt geleistet.</p>
      <p begin="00:05:40.417" id="p85" end="00:05:44.417">Durch eure Tätigkeit wurde ein wichtiger Beitrag geleistet</p>
      <p begin="00:05:44.696" id="p86" end="00:05:48.045">in der Einschätzung und Entwicklung der internationalen Lage.</p>
      <p begin="00:05:49.146" id="p87" end="00:05:54.556">Sie wird auch sichtbar, dass uns bisher möglich war den Frieden zu erhalten.</p>
      <p begin="00:05:55.702" id="p88" end="00:05:57.702">Euer Mut und eure treue Ergebenheit,</p>
      <p begin="00:05:58.436" id="p89" end="00:06:01.436">die hohen perönlichen Opfer, die ihr bringen musstet</p>
      <p begin="00:06:02.000" id="p90" end="00:06:04.524">und eure Standhaftigkeit während der schweren Haft,</p>
      <p begin="00:06:05.459" id="p91" end="00:06:09.506">sind Vorbild für alle Angehörigen des Ministeriums für Staatssicherheit</p>
      <p begin="00:06:10.193" id="p92" end="00:06:13.398">und die vielen Kundschafter an der unsichtbaren Front.</p>
      <p begin="00:06:17.469" id="p93" end="00:06:22.557">Euer Auftrag für die Sache des Sozialismus und des Friedens bis zur letzten Möglichkeit zu kämpfen,</p>
      <p begin="00:06:23.404" id="p94" end="00:06:25.531">wurde ehrenvoll erfüllt.</p>
      <p begin="00:06:26.651" id="p95" end="00:06:29.074">Dafür danken euch die Partei und die Staatsführung</p>
      <p begin="00:06:29.636" id="p96" end="00:06:34.170">und besonders der Generalsekretär unserer Partei, Vorsitzender des Staatsrates</p>
      <p begin="00:06:34.572" id="p97" end="00:06:39.639">und Vorsitzender des nationalen Verteidigungsrates, Genosse Erich Honecker.</p>
      <p begin="00:06:41.545" id="p98" end="00:06:44.092">Genossinnen und Genossen, liebe Freunde</p>
      <p begin="00:06:45.000" id="p99" end="00:06:49.474">tief überzeugend von der Richtigkeit und Sieghaftigkeit unseres Kampfes,</p>
      <p begin="00:06:50.179" id="p100" end="00:06:52.594">festes Vertrauen zur Partei der Arbeiterklasse,</p>
      <p begin="00:06:53.289" id="p101" end="00:06:57.289">standhaftes Verhalten auch unter komplizierten Bedingungen</p>
      <p begin="00:06:57.784" id="p102" end="00:07:00.549">und entschlossenes, selbstloses Handeln,</p>
      <p begin="00:07:01.359" id="p103" end="00:07:07.824">dass muss jedem Angehörigen unseres Ministeriums, jeden Kundschafter und Patrioten auszeichnen.</p>
      <p begin="00:07:08.012" id="p104" end="00:07:17.975">[Applaus]</p>
      <p begin="00:07:18.000" id="p105" end="00:07:21.602">[Günter Guillaume:] Genosse Minister, Genossinen und Genossen</p>
      <p begin="00:07:23.705" id="p106" end="00:07:29.311">Wir melden uns nach 25 jährigem Einsatz zurück, in der deutschen demokratischen Republik.</p>
      <p begin="00:07:31.390" id="p107" end="00:07:36.089">Im Namen von Christel und mir, herzlichen Dank</p>
      <p begin="00:07:37.132" id="p108" end="00:07:39.132">für den ergreifenden Empfang in der Heimat</p>
      <p begin="00:07:40.850" id="p109" end="00:07:47.069">und danke für die Gelegenheit hier vor Genossen und Freunden</p>
      <p begin="00:07:48.233" id="p110" end="00:07:52.905">unsern Empfinden in Worten Ausdruck geben zu dürfen.</p>
      <p begin="00:07:56.000" id="p111" end="00:07:58.311">Ganz besonders danken wir unseren Minister</p>
      <p begin="00:08:00.594" id="p112" end="00:08:05.624">für seinen persönlichen Einsatz und die unermüdlichen Anstrengungen,</p>
      <p begin="00:08:06.483" id="p113" end="00:08:12.000">die mit Erfolg zur Freikampfung von Christel und mir geführt haben.</p>
      <p begin="00:08:14.600" id="p114" end="00:08:16.703">Dank auch an die Genossen der Abwehr.</p>
      <p begin="00:08:18.038" id="p115" end="00:08:23.929">Die durch ihre erfolgreiche Arbeit entscheidene Voraussetzungen dafür geschaffen haben.</p>
      <p begin="00:08:27.202" id="p116" end="00:08:33.000">Wir hätten gern noch länger unseren Auftrag als Kundschafter erfüllt.</p>
      <p begin="00:08:34.968" id="p117" end="00:08:39.999">Es war nicht leicht, so plötzlich daran gehindert zu werden,</p>
      <p begin="00:08:41.953" id="p118" end="00:08:47.257">eine erfolgreiche Arbeit für die Sicherung des Friedens fortzusetzen.</p>
      <p begin="00:08:50.859" id="p119" end="00:08:56.859">Das Vertrauen und die Solidarität der Partei und unseres großen Kollektivs,</p>
      <p begin="00:08:58.952" id="p120" end="00:09:02.530">das wir auch in der schweren Zeit der Haft, ständig gespürt haben,</p>
      <p begin="00:09:03.960" id="p121" end="00:09:08.515">gab uns die Kraft auch diese Prüfung zu überstehen.</p>
      <p begin="00:09:13.211" id="p122" end="00:09:18.390">Ich will nicht verschweigen, dass es in dieser Phase auch Depressionen gab.</p>
      <p begin="00:09:20.585" id="p123" end="00:09:25.132">Dann hielten wir uns an das Beispiel der Genossen aus dem antifaschistischen Widerstand,</p>
      <p begin="00:09:27.530" id="p124" end="00:09:31.749">die es noch schwerer hatten und uns half auch der Gedanke</p>
      <p begin="00:09:31.774" id="p125" end="00:09:35.663">an die vielen Opfer der Sowjetarmee, bei der Befreiung unserer Heimat.</p>
      <p begin="00:09:40.000" id="p126" end="00:09:48.866">Heute sind wir bereits die älteren Tschekisten und sehen es als unsere Aufgabe an,</p>
      <p begin="00:09:50.062" id="p127" end="00:09:55.890">die eigenen Erfahrungen wie eine Stafette an die jüngeren Genossen weiter zu geben.</p>
      <p begin="00:09:57.554" id="p128" end="00:10:03.850">Die Jüngeren die bereits Heute unter uns weilen oder die erst noch zu uns stoßen werden.</p>
      <p begin="00:10:06.242" id="p129" end="00:10:12.242">Wir beide, Christel und ich, versichern, dass wir auch künftig bereit sind</p>
      <p begin="00:10:13.195" id="p130" end="00:10:17.195">unseren Beitrag für die Sache des Sozialismus</p>
      <p begin="00:10:18.039" id="p131" end="00:10:21.396">und vor allem für die Erhaltung des Friedens zu leisten.</p>
      <p begin="00:10:21.421" id="p132" end="00:10:23.975">[Applaus]</p>
      <p begin="00:10:24.000" id="p133" end="00:10:28.240">[Sprecher:] Für ihre mutigen, klugen, opferbereiten Einsatz, für ihre überragenden Verdienste</p>
      <p begin="00:10:28.265" id="p134" end="00:10:31.265">beim Schutze des Sozialismus und zur Sicherung des Friedens,</p>
      <p begin="00:10:31.290" id="p135" end="00:10:34.085">wurden Günter und Christel Guillaume mit dem Karl-Marx-Orden geehrt.</p>
      <p begin="00:10:36.546" id="p136" end="00:10:39.031">Wie hat alles Angefangen, vor einem viertel Jahrhundert?</p>
      <p begin="00:10:40.156" id="p137" end="00:10:41.468">Wie jung sie damals waren.</p>
      <p begin="00:10:47.445" id="p138" end="00:10:51.828">Im Einsatzgebiet konnten sie ihren Personalausweis nicht bei sich tragen.</p>
      <p begin="00:10:52.734" id="p139" end="00:10:57.007">Im Panzerschrank wurde er sorgfältig aufbewahrt und vor Verlust geschützt.</p>
      <p begin="00:11:05.226" id="p140" end="00:11:12.000">Christel und Günter Guillaume waren, blieben und sind Bürger der deutschen demokratischen Republik.</p>
      <p begin="00:11:19.000" id="p141" end="00:11:27.000">Guillaume Christel Margarete, geboren 06. Oktober 1927 in Allenstein</p>
      <p begin="00:11:27.601" id="p142" end="00:11:33.117">Nationalität: Deutsch, Beruf: Stenotypisten, verheiratet.</p>
      <p begin="00:11:36.429" id="p143" end="00:11:38.773">Besondere Kennzeichen: keine</p>
      <p begin="00:11:44.148" id="p144" end="00:11:53.789">Guillaume Günter Karl Heinz, geboren 01. Februar 1927 in Berlin, Nationalität: Deutsch</p>
      <p begin="00:11:54.375" id="p145" end="00:12:04.281">Beruf: Fotograf, verheiratet, Besondere Kennzeichen: keine</p>
      <p begin="00:12:10.742" id="p146" end="00:12:15.218">Keine? Äußerlich nicht. Charakterlich schon.</p>
      <p begin="00:12:15.851" id="p147" end="00:12:20.132">Zwei junge Bürger der DDR, bereit zum mutigen Schritt in eine feindliche Welt.</p>
      <p begin="00:12:22.960" id="p148" end="00:12:26.078">Wie sah sie aus diese Welt mitte der 50er Jahre?</p>
      <p begin="00:12:28.992" id="p149" end="00:12:35.585">Februar 1953, der von den Westmächten initiierte Kalte Krieg spitzt sich zu.</p>
      <p begin="00:12:35.967" id="p150" end="00:12:41.585">In Bonn trifft der neue US-Außenminister Dulles, geistiger Vater der groß angelegten Strategie</p>
      <p begin="00:12:41.610" id="p151" end="00:12:45.210">des Rollback, zu geheim Verhandlungen mit Bundeskanzler Adenauer ein.</p>
      <p begin="00:12:45.655" id="p152" end="00:12:50.132">Die USA brauchen einen scharfen Festlandsdegen gegen die Länder des Sozialismus.</p>
      <p begin="00:12:50.617" id="p153" end="00:12:54.202">Die Regierung des westdeutschen Großkapitals nimmt die Gelegenheit wahr</p>
      <p begin="00:12:54.398" id="p154" end="00:12:58.421">um ihre restaurierte Nacht wieder auf millitärische Füße zu stellen</p>
      <p begin="00:13:00.781" id="p155" end="00:13:07.405">Februar 1954, treffen der Außenminister der Signatarstaaten des Potsdamer Abkommens in Berlin.</p>
      <p begin="00:13:07.929" id="p156" end="00:13:11.929">Der sowjetische Außenminister Molotov, hier mit seinem Stellvertreter Andre Gromykow,</p>
      <p begin="00:13:12.179" id="p157" end="00:13:17.389">warnt eindringlich vor dem Bruch des Abkommens, vor der Wiederbewaffnung des deutschen Imperalismus</p>
      <p begin="00:13:18.210" id="p158" end="00:13:21.412">Unterstützt von einer mächtigen Volksbewegung schlägt er vor</p>
      <p begin="00:13:21.437" id="p159" end="00:13:24.280">mit ganz Deutschland einen Friedensvertrag abzuschließen.</p>
      <p begin="00:13:25.218" id="p160" end="00:13:28.218">Die Westmächte jedoch stellen die Weichen auf Konfrontation.</p>
      <p begin="00:13:34.000" id="p161" end="00:13:36.000">[Sprecherin:] und sie haben es eilig.</p>
      <p begin="00:13:36.382" id="p162" end="00:13:42.550">Bereits im Oktober 1954 sitzt Adenauer als neuer junior Partner mit am Tisch.</p>
      <p begin="00:13:43.273" id="p163" end="00:13:47.210">Unter Bruch des Völkerrechts werden die Pariser Verträge unterzeichnet.</p>
      <p begin="00:13:47.945" id="p164" end="00:13:53.538">Die hochrüstung der BRD und die Eingliederung in die NATO stehen auf dem Programm.</p>
      <p begin="00:13:54.164" id="p165" end="00:13:56.858">Die Tinte auf den Dokumenten ist noch nicht trocken</p>
      <p begin="00:13:57.140" id="p166" end="00:14:00.835">Sofort laufen die ersten Maßnahmen nun in frecher Offenheit an.</p>
      <p begin="00:14:01.616" id="p167" end="00:14:06.702">Der Blick der alten, neuen Generalität kann wieder nach Osten gehen.</p>
      <p begin="00:14:12.000" id="p168" end="00:14:15.358">[Sprecher:] Eine wütende Welle geistigen Terrors überflutet das Land.</p>
      <p begin="00:14:16.179" id="p169" end="00:14:19.179">Die Niederlage im zweiten Weltkrieges wird nicht hingenommen.</p>
      <p begin="00:14:20.187" id="p170" end="00:14:24.187">Kein Tag in Presse, Rundfunk und Fernsehen der nicht Revangegedanken schürt.</p>
      <p begin="00:14:25.335" id="p171" end="00:14:28.335">Und die Buchhandlungen quellen über von einer Literatur</p>
      <p begin="00:14:28.360" id="p172" end="00:14:31.858">in der dieser faschistische Raubkrieg nachträglich gewonnen wird.</p>
      <p begin="00:14:35.555" id="p173" end="00:14:38.920">[Sprecherin:] Selbst eine so blutbefleckte Organisation, wie die SS</p>
      <p begin="00:14:38.945" id="p174" end="00:14:41.945">wird auf dem antikommunistischen Feldzug mitgenommen.</p>
      <p begin="00:14:42.507" id="p175" end="00:14:46.081">Regelmäßig erscheint der Freiwillige, dass Organ der Waffen SS.</p>
      <p begin="00:14:46.343" id="p176" end="00:14:48.831">Sammlungsaufrufe der Traditionsverbände.</p>
      <p begin="00:14:49.070" id="p177" end="00:14:53.437">In die Bundeswehr treten auf einem Schlag 2000 SS Offiziere ein.</p>
      <p begin="00:14:56.218" id="p178" end="00:14:59.559">[Sprecher:] Treffen der sudetendeutschen Landsmannschaft in Heidelberg.</p>
      <p begin="00:15:00.054" id="p179" end="00:15:03.473">Von vornehrein ist die Stoßrichtung klar. Gen Osten</p>
      <p begin="00:15:04.171" id="p180" end="00:15:06.684">Die verdriebenen Verbände bilden die Vorreiter.</p>
      <p begin="00:15:07.297" id="p181" end="00:15:10.926">Als sogenannter Rechtsnachvolger des deutschen Reiches beansprucht die Bonner Politik</p>
      <p begin="00:15:10.951" id="p182" end="00:15:13.858">nicht nur die Eingliederung der DDR, sondern Betreibt auch</p>
      <p begin="00:15:13.883" id="p183" end="00:15:19.207">die Rückeroberrung von Gebieten der CSSR, der Volksrepublik Polen und der Sowjetunion.</p>
      <p begin="00:15:19.232" id="p184" end="00:15:21.535">Europas Friede ist in Gefahr.</p>
      <p begin="00:15:25.468" id="p185" end="00:15:30.468">[Sprecherin:] Der SPD-Chef Kurt Schumacher auf einer Frontstadt-Kundgebung in West-Berlin</p>
      <p begin="00:15:31.000" id="p186" end="00:15:34.513">Das Taktieren der SPD wirkt sich verhängnisvoll aus.</p>
      <p begin="00:15:35.000" id="p187" end="00:15:40.000">Noch stellt sie sich, wenn auch ohne Konsequenz gegen die Remillitarisierung</p>
      <p begin="00:15:40.218" id="p188" end="00:15:44.568">aber ihre rechten Führer infizieren die Massen mit dem Gift des Antikommunismus.</p>
      <p begin="00:15:45.117" id="p189" end="00:15:49.615">Die westdeustche Arbeiterklasse wird in ihrer Mehrheit politisch Irre geführt</p>
      <p begin="00:15:51.398" id="p190" end="00:15:54.716">Schumachers SPD Ost-Büro kennt nur ein Ziel:</p>
      <p begin="00:15:55.062" id="p191" end="00:15:57.545">Die Version des Aufbaus in der DDR</p>
      <p begin="00:16:00.000" id="p192" end="00:16:04.209">[Sprecher:] Die einzige Kraft, die sich entschlossen dieser Entwicklung in den Weg stellt,</p>
      <p begin="00:16:04.234" id="p193" end="00:16:06.154">ist die kommunistische Partei.</p>
      <p begin="00:16:07.281" id="p194" end="00:16:08.787">Sie soll ausgeschaltete werden.</p>
      <p begin="00:16:09.209" id="p195" end="00:16:12.279">1956 macht die Reaktion ernst.</p>
      <p begin="00:16:12.734" id="p196" end="00:16:17.686">Die Partei wird verboten, ihre Partei- und Verlagshäuser, hier die Hamburger Volkszeitung,</p>
      <p begin="00:16:17.711" id="p197" end="00:16:20.061">werden von Einsatzkomandos besetzt.</p>
      <p begin="00:16:20.679" id="p198" end="00:16:24.679">In den Sog des Terrors geraten bald auch nicht kommunistische Demokraten.</p>
      <p begin="00:16:28.008" id="p199" end="00:16:31.770">[Sprecherin:] Ende 1956 ist der Weg frei.</p>
      <p begin="00:16:31.795" id="p200" end="00:16:34.052">Abstimmung im Bonner Bundestag</p>
      <p begin="00:16:34.468" id="p201" end="00:16:38.349">Die Mehrheit der Regierungsparteien und der CDU-Kanzler Adenauer</p>
      <p begin="00:16:38.374" id="p202" end="00:16:41.374">beschließt die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht.</p>
      <p begin="00:16:42.070" id="p203" end="00:16:46.037">Die in der Opposition sitzende SPD stimmt gegen das Gesetzt.</p>
      <p begin="00:16:46.492" id="p204" end="00:16:49.302">Doch ihr Widerstreit bleibt im Rhetorischen stecken.</p>
      <p begin="00:16:49.859" id="p205" end="00:16:56.115">Schon hier zeigt sich eine Entwicklung, die später sozialdemokratische Führer als Wehrminister sieht.</p>
      <p begin="00:17:01.000" id="p206" end="00:17:03.732">[Sprecher:] Die ersten Atomwaffen kommen in die Bundesrepublik.</p>
      <p begin="00:17:04.320" id="p207" end="00:17:08.255">Ende 1956 können sie auf einen amerikanischen Übungsgelände</p>
      <p begin="00:17:08.280" id="p208" end="00:17:12.482">in Oberbayern von Nato-Spezialisten in Augenschein genommen werden.</p>
      <p begin="00:17:13.000" id="p209" end="00:17:18.380">Die Verwandlung der BRD in ein atomares Aufmarschgebiet nimmt ihren verhängnisvollen Anfang.</p>
      <p begin="00:17:22.140" id="p210" end="00:17:25.271">Zu den balistischen Waffen gehören auch solche mit denen Ziele</p>
      <p begin="00:17:25.296" id="p211" end="00:17:28.638">tief im Hinterland der sozialistischen Staaten erreicht werden können.</p>
      <p begin="00:17:33.193" id="p212" end="00:17:35.193">[Sprecherin:] Und dann ist es so weit.</p>
      <p begin="00:17:35.476" id="p213" end="00:17:39.380">In der Lüneburger Heide findet das Atomkriegsmanöver statt.</p>
      <p begin="00:17:39.937" id="p214" end="00:17:42.937">Bundeskanzler Adenauer zeigt sich tief befriedigt</p>
      <p begin="00:17:43.055" id="p215" end="00:17:47.505">über die Demonstration eines 300 Meter hohen Explosionspilzes.</p>
      <p begin="00:17:49.414" id="p216" end="00:17:53.770">Beim abschließenden Abschreiten einer ehren Kompanie der neuen Bundeswehr</p>
      <p begin="00:17:53.795" id="p217" end="00:17:58.359">wird er begleitet von Wehrminister Strauss und Generalinspekteur Heusinger,</p>
      <p begin="00:17:58.663" id="p218" end="00:18:03.359">der seine Generalstabserfahrungen in Hitlers Wolfsschanze gesammelt hat.</p>
      <p begin="00:18:08.687" id="p219" end="00:18:11.937">[Sprecher:] In der Zeit des sich verschärfenden Kalten Krieges ist Ernst Reuter</p>
      <p begin="00:18:11.962" id="p220" end="00:18:18.000">einer der Exponenten des reaktionären Flügels in der SPD-Führung, Verwaltungs Chef in West-Berlin.</p>
      <p begin="00:18:18.850" id="p221" end="00:18:22.125">Der bürgerliche englische Journalist Burchett urteilte über Reuter:</p>
      <p begin="00:18:23.539" id="p222" end="00:18:28.171">Die Ansichten, die er äußerte, waren mir aus Gesprächen mit früheren Nazis wohl bekannt.</p>
      <p begin="00:18:28.366" id="p223" end="00:18:31.960">"Vor allem sabotierte er jeden Versuch das berliner Problem zu lösen.</p>
      <p begin="00:18:32.633" id="p224" end="00:18:36.039">Die kritische Situation sollte um jeden Preis aufrecht erhalten werden,</p>
      <p begin="00:18:36.219" id="p225" end="00:18:38.617">um den künftigen Kriegsgrund abzugeben."</p>
      <p begin="00:18:40.000" id="p226" end="00:18:43.236">Das Bild zeigt Reuter beim Empfang Adenauers in West-Berlin.</p>
      <p begin="00:18:43.625" id="p227" end="00:18:45.533">Beide arbeiteten Hand in Hand.</p>
      <p begin="00:18:52.000" id="p228" end="00:18:56.642">Das war die Situation in der Christel und Günter Guillaume ihren Kuntschafterauftrag übernahmen.</p>
      <p begin="00:18:57.351" id="p229" end="00:18:59.752">Der Frieden und der Sozialismus sind bedroht.</p>
      <p begin="00:19:00.116" id="p230" end="00:19:03.116">Der Frieden und der Sozialismus müssen geschützt werden.</p>
      <p begin="00:19:06.023" id="p231" end="00:19:11.353">[Günter Guillaume:] Mit 17 Jahren wurde ich noch Soldat der faschistischen Wehrmacht</p>
      <p begin="00:19:12.252" id="p232" end="00:19:19.236">und lernte Angst und Schrecken, der letzten Monate des zweiten Weltkrieges kennen.</p>
      <p begin="00:19:21.070" id="p233" end="00:19:30.861">Das prägte mich und festigte in mir die Entscheidung nie wieder Krieg.</p>
      <p begin="00:19:31.195" id="p234" end="00:19:34.517">Alles zu tun das sich das nicht wiederholt.</p>
      <p begin="00:19:36.663" id="p235" end="00:19:42.663">Das waren meine jungen Erfahrungen aber nicht nur das.</p>
      <p begin="00:19:44.353" id="p236" end="00:19:54.462">Gleich darauf, nur wenige Monate danach kam das Bedürfnis neues Wissen zu erwerben</p>
      <p begin="00:19:54.975" id="p237" end="00:19:58.212">Wissen das zwölf Jahrelang vorenthalten worden war.</p>
      <p begin="00:19:59.170" id="p238" end="00:20:01.455">Wissen das vorher verboten war.</p>
      <p begin="00:20:03.429" id="p239" end="00:20:09.705">Und die erste Organisation der ich mich dann anschloss,</p>
      <p begin="00:20:10.203" id="p240" end="00:20:12.587">war die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft.</p>
      <p begin="00:20:13.556" id="p241" end="00:20:18.892">Ich wollte mehr wissen über dieses große Land,</p>
      <p begin="00:20:19.929" id="p242" end="00:20:24.369">dem wir Deutsche in dem Krieg so viel Leid zugefügt hatten.</p>
      <p begin="00:20:26.000" id="p243" end="00:20:32.337">Auf den Veranstaltungen dieser Gesellschaft lernte ich persönlich die ersten Menschen kennen,</p>
      <p begin="00:20:32.859" id="p244" end="00:20:35.728">die am antifaschistischen Wiederstand teil genommen hatten.</p>
      <p begin="00:20:36.836" id="p245" end="00:20:40.283">Eine Vätergeneration die ich bis dahin nicht kannte.</p>
      <p begin="00:20:40.797" id="p246" end="00:20:47.369">Die zurück gekommen war aus den Konzentrationslagern, aus den Zuchthäusern und aus der Immigration.</p>
      <p begin="00:20:49.789" id="p247" end="00:20:54.259">Diesen Menschen stahl ich sozusagen alles von den Lippen.</p>
      <p begin="00:20:55.094" id="p248" end="00:20:58.166">Was sie sagten saugte ich auf wie ein Schwamm</p>
      <p begin="00:20:59.562" id="p249" end="00:21:06.955">und so erwarb ich mir das erste bisschen ideologische Wissen um die Arbeiterklasse</p>
      <p begin="00:21:08.171" id="p250" end="00:21:15.322">und die große Sowjetunion und um die Hintergründe, die zu diesem schrecklichen Krieg geführt hatten,</p>
      <p begin="00:21:16.369" id="p251" end="00:21:18.033">die ihn mit ausgelöst hatten.</p>
      <p begin="00:21:20.390" id="p252" end="00:21:27.197">Diese Zeit war nun aber nicht nur dazu da, dass man in Ruhe studieren konnte</p>
      <p begin="00:21:27.719" id="p253" end="00:21:30.798">sondern es zeichneten bereits schon wieder Entwicklungen ab,</p>
      <p begin="00:21:31.742" id="p254" end="00:21:34.478">die ein das fürchten lernten vor einen neuen Krieg.</p>
      <p begin="00:21:36.000" id="p255" end="00:21:43.822">Und so war es eine ganz logische Schlussvolgerung, dass der Weg</p>
      <p begin="00:21:43.847" id="p256" end="00:21:49.000">zu den sich damals bildenden Friedenskomitees, mein Weg wurde.</p>
      <p begin="00:21:50.734" id="p257" end="00:21:53.734">In ein dieser Friedenskomitees lernte ich dann Christel kennen.</p>
      <p begin="00:21:53.961" id="p258" end="00:21:58.542">Sie war aus dem gleichen Empfinden dort hingegangen.</p>
      <p begin="00:22:00.140" id="p259" end="00:22:07.962">Und wir gehörten zu denen die demonstrierten, die Flugblätter verteilten</p>
      <p begin="00:22:08.124" id="p260" end="00:22:13.236">die diskutierten mit den Anderen, die noch nicht so wach waren.</p>
      <p begin="00:22:14.031" id="p261" end="00:22:21.345">zu dieser Zeit verlegte ich meinen Wohnsitz, der vorher in Berlin-Charlottenburg war,</p>
      <p begin="00:22:22.202" id="p262" end="00:22:32.361">in unsere Hauptstadt, wurde Mitarbeiter eines Verlages, wurde dort Gewerkschaftsfunktionär,</p>
      <p begin="00:22:32.648" id="p263" end="00:22:36.962">Mitglied der Betriebsgewerkschaftsleitung und Kandidat unserer Partei.</p>
      <p begin="00:22:38.234" id="p264" end="00:22:45.298">Und das wiederum führte zu neuer aktiver Arbeit für den Frieden,</p>
      <p begin="00:22:45.570" id="p265" end="00:22:47.955">für die neue junge sozialistische Gesellschaft.</p>
      <p begin="00:22:49.546" id="p266" end="00:22:53.986">Ich bekam Aufträge nach Westberlin zu gehen</p>
      <p begin="00:22:54.875" id="p267" end="00:23:01.384">zu agitieren, andere zu Überzeugen und ich bekam den Auftrag</p>
      <p begin="00:23:02.179" id="p268" end="00:23:13.632">auch mal in die BRD zu fahren, um dort Freunden zu Helfen, Freunden Informationen zu übermitteln.</p>
      <p begin="00:23:15.523" id="p269" end="00:23:22.523">In dieser Zeit müssen die Genossen unseres Organs auf mich aufmerksam geworden sein.</p>
      <p begin="00:23:23.702" id="p270" end="00:23:32.374">Denn eines Tages lernte ich Paul Laufer kennen, meinen späteren Freund und Lehrer.</p>
      <p begin="00:23:33.742" id="p271" end="00:23:37.961">Und der erzählte mir, dass es mutige Menschen gibt</p>
      <p begin="00:23:39.000" id="p272" end="00:23:44.000">in der BRD, zum Teil ehemalige Widerstandskämpfer,</p>
      <p begin="00:23:46.039" id="p273" end="00:23:51.773">die offen gegen die adenauerische Politik</p>
      <p begin="00:23:53.140" id="p274" end="00:23:55.000">der Wideraufrüstung auftraten.</p>
      <p begin="00:23:55.430" id="p275" end="00:24:01.476">Die entsetzt waren von den Vorbereitungen einer bewaffneten Auseinandersetzung,</p>
      <p begin="00:24:02.812" id="p276" end="00:24:09.023">die entsetzt waren von den Bedrohungen der jungen deutschen demokratischen Republik</p>
      <p begin="00:24:09.499" id="p277" end="00:24:12.226">und den anderen Ländern des Sozialismus</p>
      <p begin="00:24:13.601" id="p278" end="00:24:18.062">Mit diesen Menschen zu sprechen wurde meine erste Aufgabe.</p>
      <p begin="00:24:20.335" id="p279" end="00:24:28.335">Daraus entstand eine Bindung, denn ein Teil von ihnen war bereit</p>
      <p begin="00:24:28.711" id="p280" end="00:24:31.906">mit uns konspirativ zusammen zu arbeiten.</p>
      <p begin="00:24:35.000" id="p281" end="00:24:40.390">Für diese Führungsaufgabe dieser mutigen und tapferen Männer und Frauen,</p>
      <p begin="00:24:41.000" id="p282" end="00:24:46.359">die mit uns konspirativ zusammen arbeiten wollten, wurde ich nun vorbereitet.</p>
      <p begin="00:24:48.000" id="p283" end="00:24:57.039">Und eines Tages kam der Befehl: Du wirst in die BRD übersiedeln</p>
      <p begin="00:24:58.031" id="p284" end="00:25:03.601">[Christel Guillaume:] Es war für mich selbstverständlich, dass ich Günter in das Einsatzgebiet begleitete,</p>
      <p begin="00:25:03.626" id="p285" end="00:25:09.710">um ihm bei seiner Aufgabe, bei seiner Arbeit zu helfen und nach besten Kräften zu unterstützen.</p>
      <p begin="00:25:10.351" id="p286" end="00:25:15.828">Vor unserer Abreise wurde ich noch in einer kleinen Versammlung in die Partei aufgenommen.</p>
      <p begin="00:25:16.492" id="p287" end="00:25:18.828">Man kann sagen so begann eigentlich alles.</p>
      <p begin="00:25:20.000" id="p288" end="00:25:27.000">Wir brachten recht günstige Voraussetzungen für unsere Übersiedlung in das Operationsgebiet mit.</p>
      <p begin="00:25:27.506" id="p289" end="00:25:34.820">Meine Mutter bot als Witwe eines in der Nazi-Zeit verfolgten Tabakwarenfachmannes</p>
      <p begin="00:25:35.132" id="p290" end="00:25:42.812">holländischer Staatsangehörigkeit, die Möglichkeit legal in die Bundesrepublik umzusiedeln.</p>
      <p begin="00:25:43.156" id="p291" end="00:25:48.789">Wir zogen mit in ihre Wohnung, in Frankfurt am Main und konnten so mit</p>
      <p begin="00:25:49.500" id="p292" end="00:25:55.335">- äh - unsern Aufenthalt in dem Notaufnahmelager Gießen umgehen.</p>
      <p begin="00:25:55.695" id="p293" end="00:26:00.070">Als ersten Stützpunkt in unserer sogenannten neuen Heimat</p>
      <p begin="00:26:00.828" id="p294" end="00:26:05.289">erwarben wir uns unter den Namen meiner Mutter ein kleines Tabakwarengeschäft.</p>
      <p begin="00:26:06.656" id="p295" end="00:26:13.452">Die Rolle, die übrigens meine Mutter bei der Übersiedlung in die BRD spielen sollte</p>
      <p begin="00:26:13.609" id="p296" end="00:26:18.202">und die uns Hilfen geben wollte beim Einstieg in das neue Leben,</p>
      <p begin="00:26:18.476" id="p297" end="00:26:23.632">war durch den Einfluss des Genossen Paul Laufer von der Zentrale,</p>
      <p begin="00:26:23.851" id="p298" end="00:26:27.468">von dem Günter bereits berichtete hat, ermöglicht wurden.</p>
      <p begin="00:26:28.421" id="p299" end="00:26:34.889">Sie hatte ihm nämlich ihr Wort gegeben, mit diesen Hilfen, die ich eben geschildert habe,</p>
      <p begin="00:26:35.390" id="p300" end="00:26:40.788">ihren ganz persönlichen Beitrag für die Sache des Friedens zu leisten.</p>
      <p begin="00:26:41.999" id="p301" end="00:26:47.546">Das in sie gesetzte Vertrauen, hat sie dann am Tage unserer Verhaftung</p>
      <p begin="00:26:47.571" id="p302" end="00:26:53.874">und in den Jahren danach durch ihre aufrechte Haltung und ihre Standhaftigkeit</p>
      <p begin="00:26:53.899" id="p303" end="00:27:00.163">gegenüber den feindlichen Verfassungsorganen der BRD voll gerechtfertigt.</p>
      <p begin="00:27:00.858" id="p304" end="00:27:05.296">Seit 1976 lebt sie wieder in unserer Republik.</p>
      <p begin="00:27:06.000" id="p305" end="00:27:10.522">Günter hat ja bereits dargelegt welche Aufgabe ihm übertragen war.</p>
      <p begin="00:27:11.381" id="p306" end="00:27:15.725">Ich war ihm Helferin dabei, denn wir waren in der Vorbereitungszeit</p>
      <p begin="00:27:15.750" id="p307" end="00:27:20.193">vor unserer Übersiedlung, mit allem vertraut gemacht worden,</p>
      <p begin="00:27:20.375" id="p308" end="00:27:24.897">was man zur Bewältigung einer solchen Aufgabe nötig hat.</p>
      <p begin="00:27:28.709" id="p309" end="00:27:32.000">In der Vorbereitungszeit war geplant gewesen,</p>
      <p begin="00:27:32.344" id="p310" end="00:27:39.904">dass ich unmittelbar im Operatiosngebiet sofort wieder in das Berufsleben einsteige.</p>
      <p begin="00:27:41.710" id="p311" end="00:27:46.357">Denn wir mussten auf jeden Fall unseren Lebensunterhalt ja auch nach außen hin abdecken</p>
      <p begin="00:27:46.390" id="p312" end="00:27:49.084">damit niemand Verdacht schöpfen konnte.</p>
      <p begin="00:27:51.336" id="p313" end="00:27:56.529">Diese Re, die Realisierung dieses Planes wurde jedoch dadurch verzögert,</p>
      <p begin="00:27:56.898" id="p314" end="00:28:00.529">dass ich feststellen musste, dass ich ein Kind erwartete.</p>
      <p begin="00:28:00.758" id="p315" end="00:28:08.225">Ich überbrückte dann diese Monate der Wartezeit mit Schreibarbeiten für ein kleines Ingenieurbüro.</p>
      <p begin="00:28:08.656" id="p316" end="00:28:11.764">Etliche Monate nach der Geburt des Sohnes,</p>
      <p begin="00:28:13.492" id="p317" end="00:28:17.537">stieg ich dann wieder in die Berufsarbeit ein, in dem ich mir</p>
      <p begin="00:28:17.937" id="p318" end="00:28:24.279">über eine Zeitungsanzeige eine Stelle bei einem Wirtschaftsdienstverlag besorgte,</p>
      <p begin="00:28:25.312" id="p319" end="00:28:30.312">da ich aber nach weiteren neuen Wirkungsmöglichkeiten suchten, suchte,</p>
      <p begin="00:28:30.828" id="p320" end="00:28:37.998">besuchte ich sämtliche Veranstaltungen der SPD, der wir 1957 beigetreten waren,</p>
      <p begin="00:28:38.156" id="p321" end="00:28:43.834">insbesondere der sogenannten Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen,</p>
      <p begin="00:28:44.180" id="p322" end="00:28:51.180">wo ich versuchte durch kleine, kritische Diskussionsbeiträge auf mich aufmerksam zu machen.</p>
      <p begin="00:28:51.601" id="p323" end="00:28:59.467">Das war damals in dem stark links orientierten SPD Unterbezirk Frankfurt am Main</p>
      <p begin="00:29:00.234" id="p324" end="00:29:04.897">nur möglich, wenn man als rechte Sozialdemokratin auftrat.</p>
      <p begin="00:29:06.226" id="p325" end="00:29:11.506">Diese Taktik führte Ende 1958 dann auch zum Erfolg.</p>
      <p begin="00:29:12.359" id="p326" end="00:29:19.359">Eine hauptamtlich bei der SPD des Bezirks Hessen-Süd tätige Funktionärin</p>
      <p begin="00:29:19.492" id="p327" end="00:29:25.225">wurde durch einen solchen kritischen Diskussionsbeitrag von mir aufmerksam auf mich</p>
      <p begin="00:29:25.741" id="p328" end="00:29:29.201">und bot mir eine Arbeitsstelle im Bezirksbüro an.</p>
      <p begin="00:29:29.945" id="p329" end="00:29:39.670">Es handelte sich dabei um die Mitarbeit im Referat für Frauen, Lehrer, [unverständlich], Flüchtlinge.</p>
      <p begin="00:29:42.382" id="p330" end="00:29:47.382">Gleichzeitig war damit aber auch eine Vorzimmert-tätigkeit</p>
      <p begin="00:29:47.695" id="p331" end="00:29:55.506">für den damaligen Bezirksvorsitzenenen der SPD Hessen-Süd, Willi Birkelbach, verbunden</p>
      <p begin="00:29:55.796" id="p332" end="00:30:01.022">Willy Birkelbach war zu dieser Zeit Mitglied des Bundestages,</p>
      <p begin="00:30:01.929" id="p333" end="00:30:07.733">Mitglied des außenpolitischen und wirtschaftspolitischen Ausschusses des Bundestages,</p>
      <p begin="00:30:08.305" id="p334" end="00:30:11.451">Mitglied des Parteivorstandes und</p>
      <p begin="00:30:13.000" id="p335" end="00:30:19.000">Vorsitzender der sozialistischen Fraktion des europäischen Parlaments in Straßburg.</p>
      <p begin="00:30:22.484" id="p336" end="00:30:27.662">Es stand außer Frage, dass ich diese Chance nutzte</p>
      <p begin="00:30:28.312" id="p337" end="00:30:31.428">und die Arb- dieses Arbeitsangebot annahm.</p>
      <p begin="00:30:32.047" id="p338" end="00:30:36.545">Mein neuer Arbeitsplatz bot die Möglichkeit dem Inhalt</p>
      <p begin="00:30:37.000" id="p339" end="00:30:45.404">unseres eigentlichen Auftrages eventuell eine zusätzliche, neue und höhere Qualität zu geben.</p>
      <p begin="00:30:45.804" id="p340" end="00:30:51.608">Ich bekam dann auch wirklich Material auf meinen Schreibtisch,</p>
      <p begin="00:30:51.796" id="p341" end="00:30:58.912">das eigentlich einen besonderen Wert für die darauf folgende Aufklärungsarbeit darstellte.</p>
      <p begin="00:31:02.000" id="p342" end="00:31:08.193">Besonders während meiner hauptamtlichen Tätigkeit bei der Partei war es mir möglich</p>
      <p begin="00:31:08.584" id="p343" end="00:31:17.287">auch für Günter Verbindungen zu einflussreichen rechten Sozialdemokraten zu knüpfen.</p>
      <p begin="00:31:18.179" id="p344" end="00:31:24.740">Er nutzte dann diese Verbindungen für sein weiteres Bekanntwerden in der Partei</p>
      <p begin="00:31:25.000" id="p345" end="00:31:27.873">und für seinen späteren Entwicklungsgang.</p>
      <p begin="00:31:28.281" id="p346" end="00:31:36.975">Und der war dann so gestaltet, dass er von 1964, in der Zeit von 1964 bis 1967,</p>
      <p begin="00:31:37.000" id="p347" end="00:31:43.085">zuerst Geschäftsführer der SPD des Unterbezirks Frankfurt am Main wurde,</p>
      <p begin="00:31:43.413" id="p348" end="00:31:48.820">dann Stadtverordneter in der Stadtverordnetenversammlung Frankfurt am Main</p>
      <p begin="00:31:49.459" id="p349" end="00:31:55.459">und anschließend Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Frankfurter Rathaus.</p>
      <p begin="00:31:57.273" id="p350" end="00:32:04.468">In der Zeit meines beruflichen Aufstiegs musste ich natürlich auch weiterhin die ehr'namtliche</p>
      <p begin="00:32:04.711" id="p351" end="00:32:09.601">Tätigkeit auf Parteiebene in Frankfurt am Main wahrnehmen.</p>
      <p begin="00:32:10.469" id="p352" end="00:32:13.617">Ich war trotz meiner Tätigkeit in Wiesbaden</p>
      <p begin="00:32:14.320" id="p353" end="00:32:20.023">eine Zeit lang Mitglied des Unterbezirksvorstandes der SPD Frankfurt am Main</p>
      <p begin="00:32:20.289" id="p354" end="00:32:24.289">Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen,</p>
      <p begin="00:32:24.750" id="p355" end="00:32:31.031">Deligierte auf Parteitagen, Mitglied des Ortsvereinsvorstandes und so weiter.</p>
      <p begin="00:32:32.000" id="p356" end="00:32:37.335">Diese vielfältigen Tätigkeiten führten zu einer großen Arbeitsbelastung.</p>
      <p begin="00:32:37.836" id="p357" end="00:32:43.265">Sowohl Günter, als auch ich mussten unsere hauptberufliche Tätigkeit,</p>
      <p begin="00:32:43.687" id="p358" end="00:32:46.375">unsere ehrenamtliche Parteiarbeit,</p>
      <p begin="00:32:46.664" id="p359" end="00:32:51.664">und das Wesentlichste und Wichtigste den Inhalt unseres Auftrages</p>
      <p begin="00:32:51.835" id="p360" end="00:32:58.718">so miteinander verbinden und verknüpfen, dass wir zu einem optimalen Ergebnis kommen konnten.</p>
      <p begin="00:32:59.750" id="p361" end="00:33:03.490">[Sprecher:] Vom kleinen Tabakwarengeschäft in die Geschäftsstelle der SPD,</p>
      <p begin="00:33:03.515" id="p362" end="00:33:05.515">welch schwieriger, arbeitsreicher Weg.</p>
      <p begin="00:33:05.836" id="p363" end="00:33:09.082">Für die Kundschafter neuer Möglichkeiten und neue Verantwortung.</p>
      <p begin="00:33:10.164" id="p364" end="00:33:16.973">[Sprecherin:] Das Programm von Godesberg ist die allein gültige und verbindliche Grundlage der politischen Aktivität unserer Partei.</p>
      <p begin="00:33:17.609" id="p365" end="00:33:22.137">[Sprecher:] Seit Godesberg 1959 versteht sich die SPD als staatstragende Kraft.</p>
      <p begin="00:33:22.288" id="p366" end="00:33:25.100">[Sprecherin:] Wir bekennen uns zu diesem Staat. Wir bekämpfen nicht diesen Staat,</p>
      <p begin="00:33:25.125" id="p367" end="00:33:28.911">sondern wir kämpfen darum, dass dieser Staat eine andere Regierung bekommt.</p>
      <p begin="00:33:28.936" id="p368" end="00:33:33.982">Hier handelt es sich darum, dass uns das von uns gemeinsam erarbeitete Grundgesetz den Auftrag gegeben hat,</p>
      <p begin="00:33:34.007" id="p369" end="00:33:36.981">diesen Staat einmal in ein Gesamtdeutschland zu überführen.</p>
      <p begin="00:33:39.128" id="p370" end="00:33:42.140">[Konrad Adenauer:] Wir sprechen immer meine Freunde von der Wiedervereinijung,</p>
      <p begin="00:33:42.953" id="p371" end="00:33:48.660">solle ich lieber sagen zur Befreiung des Ostens? Das ist doch die Frage um die es sich handelt.</p>
      <p begin="00:33:48.685" id="p372" end="00:33:51.975">[Musik]</p>
      <p begin="00:33:52.000" id="p373" end="00:33:56.887">[Sprecher:] Was in der DDR das Volk erbaut, die Profiteure wollten es ausschlachten.</p>
      <p begin="00:33:58.000" id="p374" end="00:34:01.730">Was das Volk säht, die Ostlandritter wollen es ernten.</p>
      <p begin="00:34:02.397" id="p375" end="00:34:06.397">Wo das Volk mündig ist, da soll es wieder in die Knechtschaft zurückgestoßen werden.</p>
      <p begin="00:34:09.082" id="p376" end="00:34:12.318">Auf Boykott und Drohungen reagieren die Werktätigen der DDR</p>
      <p begin="00:34:12.343" id="p377" end="00:34:15.379">mit gesteigerten Anstrengungen zur Stärkung von Staat und Wirtschaft.</p>
      <p begin="00:34:15.404" id="p378" end="00:34:20.148">[Musik]</p>
      <p begin="00:34:20.173" id="p379" end="00:34:24.220">In den Schaltzentralen von Bonn bis Westberlin wird die Atmosphäre weiter angeheizt.</p>
      <p begin="00:34:24.245" id="p380" end="00:34:37.521">[Musik]</p>
      <p begin="00:34:37.546" id="p381" end="00:34:54.663">[Motorengeräusche]</p>
      <p begin="00:34:55.468" id="p382" end="00:35:01.439">Doch der Friede ist nicht wehrlos, im Sozialismus hat er einen starken Schutz.</p>
      <p begin="00:35:02.304" id="p383" end="00:35:07.259">Anfang August 1961 billigen die Repräsentanten der Warschauer Pakt-Staaten</p>
      <p begin="00:35:07.284" id="p384" end="00:35:11.781">die von der KPdSU und der SED zur Sicherung des Friedens eingeleiteten Schritte.</p>
      <p begin="00:35:11.806" id="p385" end="00:35:19.562">[unverständliche, hallende Gespräche]</p>
      <p begin="00:35:19.587" id="p386" end="00:35:23.486">Die Volkskammer beschließt gesetzliche Maßnahmen um den Anschlag abzuwehren.</p>
      <p begin="00:35:23.518" id="p387" end="00:35:29.415">[Applaus]</p>
      <p begin="00:35:29.440" id="p388" end="00:35:34.975">[Motorengeräusche]</p>
      <p begin="00:35:35.000" id="p389" end="00:35:38.975">Der Gegenschlag trifft die Aggressoren ehe sie ihre Pläne verwirklichen können.</p>
      <p begin="00:35:39.713" id="p390" end="00:35:42.217">Gegenüber Westberlin, der gefährlichsten Einbruchsstelle,</p>
      <p begin="00:35:42.242" id="p391" end="00:35:45.104">wird der antifaschistische Schutzwall errichtet.</p>
      <p begin="00:35:45.129" id="p392" end="00:35:49.438">[Motorengeräusche]</p>
      <p begin="00:35:49.463" id="p393" end="00:35:54.698">Verbände der NVA sichern Schulter an Schulter mit den Kampfgruppen der Arbeiterklasse die Maßnahmen ab,</p>
      <p begin="00:35:54.990" id="p394" end="00:35:58.010">die von einem Stab unter Leitung Erich Honeckers getroffen werden.</p>
      <p begin="00:35:58.035" id="p395" end="00:36:05.975">[Motorengeräusche]</p>
      <p begin="00:36:06.000" id="p396" end="00:36:10.737">Der aufgestachelte Mob heult. Unmacht und Wut auf der Seite der Verlierer.</p>
      <p begin="00:36:12.209" id="p397" end="00:36:14.916">Abschied von einem ausgeträumten Traum.</p>
      <p begin="00:36:14.941" id="p398" end="00:36:21.658">[Motorengeräusche, Baustellenlärm]</p>
      <p begin="00:36:21.683" id="p399" end="00:36:44.107">[Musik]</p>
      <p begin="00:36:44.132" id="p400" end="00:36:46.038">Bis hier her und nicht weiter.</p>
      <p begin="00:36:50.937" id="p401" end="00:36:56.429">Die Illusionen sind dahin, aber die Pläne werden der neuen Lage angepasst.</p>
      <p begin="00:36:57.116" id="p402" end="00:37:02.567">Die Ausdehnung des NATO-Machtbereichs auf ein Gesamtdeutschland in den Grenzen von 1937</p>
      <p begin="00:37:02.592" id="p403" end="00:37:05.241">bleibt erklärtes Ziel auch der SPD.</p>
      <p begin="00:37:06.397" id="p404" end="00:37:11.592">Ihr neu gekürter Kanzlerkandidat Willy Brandt bietet dafür in einer Rede vor dem Bundestag</p>
      <p begin="00:37:11.617" id="p405" end="00:37:14.405">sozialdemokratische Minister als Helfer an.</p>
      <p begin="00:37:19.000" id="p406" end="00:37:22.015">Und der Wehrexperte der SPD Fritz Erler,</p>
      <p begin="00:37:22.040" id="p407" end="00:37:25.343">erläutert dieses Anerbieten dem Präsidenten der NATO-Führungsmacht.</p>
      <p begin="00:37:28.523" id="p408" end="00:37:32.076">[Sprecherin:] Man konnte mit gutem Gewissen die Kunde nach Amerika bringen,</p>
      <p begin="00:37:32.101" id="p409" end="00:37:36.765">dass auch ein Regierungswechsel in diesem Lande den Grundpfeiler unserer Existenz,</p>
      <p begin="00:37:36.790" id="p410" end="00:37:40.226">die deutsch-amerikanische Freundschaft, nicht zu erschüttern vermag.</p>
      <p begin="00:37:40.975" id="p411" end="00:37:43.256">[Sprecher:] Im Rückblick durch gezielte Veröffentlichung seiner Gespräche</p>
      <p begin="00:37:43.281" id="p412" end="00:37:47.281">mit dem damaligen Spiegel-Journalisten Günter Gaus bestätigt Herbert Wehner:</p>
      <p begin="00:37:48.992" id="p413" end="00:37:55.200">[Sprecherin:] Noch vor der Wahl 1965 hat der langjährige Bundeskanzler Adenauer nicht nur die Möglichkeit,</p>
      <p begin="00:37:55.234" id="p414" end="00:37:59.045">sondern aufgrund seiner Vorstellungen von der weiteren politischen Entwicklung</p>
      <p begin="00:37:59.070" id="p415" end="00:38:04.695">sogar die Notwendigkeit einer Koalition zwischen CDU und SPD dargelegt und vertreten.</p>
      <p begin="00:38:05.695" id="p416" end="00:38:09.828">[Sprecher:] Axel Cesar Springer gibt die Parole aus: <br />[Sprecherin:] Packt die Krise in den Schrank.</p>
      <p begin="00:38:10.257" id="p417" end="00:38:14.820">Wir brauchen eine neue klare Politik gegenüber unseren westlichen Freunden,</p>
      <p begin="00:38:14.937" id="p418" end="00:38:17.429">die auch eine neue Verteidigungsstrategie einschließt.</p>
      <p begin="00:38:18.000" id="p419" end="00:38:21.482">Außenminister und Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland</p>
      <p begin="00:38:21.507" id="p420" end="00:38:23.841">können besser für unsere Sicherheit sorgen,</p>
      <p begin="00:38:23.866" id="p421" end="00:38:27.335">wenn sie sich auf ein Kabinett der großen Mehrheit der Deutschen stützen.</p>
      <p begin="00:38:30.515" id="p422" end="00:38:34.515">Dann steht die Regierung der sogenannten großen Koalition.</p>
      <p begin="00:38:35.452" id="p423" end="00:38:39.742">Brandt wird hinter dem Alt-Nazi Kiesinger Vizekanzler und Außenminister.</p>
      <p begin="00:38:40.469" id="p424" end="00:38:45.672">[Musik]</p>
      <p begin="00:38:47.757" id="p425" end="00:38:52.195">Welche Personen kommen in Betracht für einen möglichen Regierungswechsel in Bonn.</p>
      <p begin="00:38:52.757" id="p426" end="00:38:55.198">Welche Kontakte sind zu diesen Kreisen möglich.</p>
      <p begin="00:38:55.727" id="p427" end="00:38:57.765">Dieser Auftrag wurde verstanden.</p>
      <p begin="00:39:00.359" id="p428" end="00:39:09.667">[Günter Guillaume:] Es wurde unsere neue Aufgabe so nah wie möglich an die führenden Sozialdemokraten heranzukommen,</p>
      <p begin="00:39:11.460" id="p429" end="00:39:19.308">die eines Tages in Bonn Regierungsämter ausfüllen würden.</p>
      <p begin="00:39:21.727" id="p430" end="00:39:29.563">In Frankfurt am Main gab es einen Mann, von dem man das erwarten konnte.</p>
      <p begin="00:39:31.156" id="p431" end="00:39:36.344">Der Bundestachsabjeordnete Georg Leber hat in Frankfurt seinen Wahlkreis</p>
      <p begin="00:39:37.195" id="p432" end="00:39:42.180">und er war Vorsitzender der Gewerkschaft Bau-Steine-Erden, die ihren Sitz in Frankfurt hatte.</p>
      <p begin="00:39:42.546" id="p433" end="00:39:49.313">Um mit Georg Leber näher in Berührung zu kommen, nahmen wir sogar einen Wohnungswechsel vor.</p>
      <p begin="00:39:50.343" id="p434" end="00:39:55.414">Wir zogen in seinen Wahlkreis und schufen damit die Vorraussetzung</p>
      <p begin="00:39:56.133" id="p435" end="00:40:01.672">in seinem Wahlkreis selbst Wahlfunktionen übernehmen zu können.</p>
      <p begin="00:40:02.601" id="p436" end="00:40:11.422">Und so is' mir dann auch gelungen der Vorsitzende der SPD im Wahlkreis Georg Lebers' zu werden</p>
      <p begin="00:40:11.866" id="p437" end="00:40:16.110">und die Funktion seines Wahlkampfleiters zu übernehmen.</p>
      <p begin="00:40:18.593" id="p438" end="00:40:24.047">Das war auf dem Wege dahin ein wichtjer und bedeutender Schritt.</p>
      <p begin="00:40:25.531" id="p439" end="00:40:28.836">Im Herbst 1969 ging unsere Rechnung auf.</p>
      <p begin="00:40:29.483" id="p440" end="00:40:42.516">Es trat das ein, was die Zentrale aufgrund der engen Zusammenarbeit mit uns eingeschätzt hatte</p>
      <p begin="00:40:44.000" id="p441" end="00:40:48.141">und wie wir es uns erhofft hatten.</p>
      <p begin="00:40:49.452" id="p442" end="00:40:57.344">Die SPD wurde Kanzlerpartei und damit entstand für den Regierungsapparat in Bonn</p>
      <p begin="00:40:58.038" id="p443" end="00:41:05.485">ein Bedarf an sozialdemokratischen Männern und Frauen, die in der Lage waren</p>
      <p begin="00:41:06.976" id="p444" end="00:41:10.313">im Staatsapparat Aufgaben zu übernehmen.</p>
      <p begin="00:41:11.484" id="p445" end="00:41:21.203">Zu meiner großen Überraschung wurde ich nicht Mitarbeiter Georg Lebers' in seinem Ressor</p>
      <p begin="00:41:22.797" id="p446" end="00:41:27.375">Verkehr, Post und Fernmeldewesen, sondern</p>
      <p begin="00:41:29.000" id="p447" end="00:41:32.446">es war ein weiterer Mann der Clique, von der ich vorhin sprach,</p>
      <p begin="00:41:33.788" id="p448" end="00:41:40.125">nach Bonn gekommen, und zwar einer der engsten Mitarbeiter Georg Lebers'</p>
      <p begin="00:41:41.016" id="p449" end="00:41:46.110">bei der Führung der Gewerkschaft Bau-Steine-Erden.</p>
      <p begin="00:41:48.858" id="p450" end="00:41:57.758">Der Kollege Dr. Herbert Ehrenberg, der seine Öffentlichkeitsarbeit,</p>
      <p begin="00:41:58.273" id="p451" end="00:42:04.602">seine Wirtschaftsplanungsarbeit in Frankfurt gemacht hatte,</p>
      <p begin="00:42:06.000" id="p452" end="00:42:11.946">war von Leber lanciert worden als Abteilungsleiter</p>
      <p begin="00:42:12.406" id="p453" end="00:42:15.618">für Wirtschafts- und Sozialpolitik im Bundeskanzleramt.</p>
      <p begin="00:42:17.726" id="p454" end="00:42:29.219">Und vermutlich haben beide in den ersten Stunden in Bonn den Gedanken gehabt mich dort anzusiedeln.</p>
      <p begin="00:42:30.460" id="p455" end="00:42:38.852">Jedenfalls erhielt ich von Georg Leber die Nachricht: Du gehst ins Bundeskanzleramt.</p>
      <p begin="00:42:39.632" id="p456" end="00:42:45.632">Und Herbert Ehrenberg stellte mich dem damaligen Chef des Kanzleramtes Horst Ehmke vor</p>
      <p begin="00:42:46.000" id="p457" end="00:42:51.399">und sagte: Diesen Genossen möchte ich für meine Abteilung haben.</p>
      <p begin="00:42:52.219" id="p458" end="00:43:00.430">Er soll dort eine Aufgabe übernehmen, die es bei noch keinem Kanzler gegeben hat.</p>
      <p begin="00:43:02.265" id="p459" end="00:43:13.265">Wir wollen ein Zeichen setzen und eine Lobby schaffen für die Gewerkschaften.</p>
      <p begin="00:43:15.000" id="p460" end="00:43:24.157">Für Brandt war ich kein Fremder, er kannte mich schon über 12 Jahre als Parteifunktionär.</p>
      <p begin="00:43:25.109" id="p461" end="00:43:32.157">Uns're erste Begegnung war in Vorbereitung des Bundestachswahlkampfes 1961</p>
      <p begin="00:43:32.679" id="p462" end="00:43:34.679">anlässlich einer Wahlreise in Hessen.</p>
      <p begin="00:43:36.422" id="p463" end="00:43:42.266">Wir haben uns dann später sehr oft gesehen auf Konferenzen und bei Besuchen in Frankfurt am Main.</p>
      <p begin="00:43:44.328" id="p464" end="00:43:50.563">Er war mir gegenüber vom ersten Tag an sehr aufgeschlossen</p>
      <p begin="00:43:52.038" id="p465" end="00:44:00.110">und das führte dazu, dass ich es auch erreichte, dass er mich auf</p>
      <p begin="00:44:01.500" id="p466" end="00:44:10.500">manche Reisen zu Verbänden, zu Kongressen, zu Gewerkschaftstagen mitnahm</p>
      <p begin="00:44:12.000" id="p467" end="00:44:16.899">und wir uns also auch menschlich näher kamen.</p>
      <p begin="00:44:19.179" id="p468" end="00:44:23.453">Ein großer Sprung nach vorne gelang mir 1972.</p>
      <p begin="00:44:25.531" id="p469" end="00:44:33.531">Wir erinnern uns, 1972 war das Jahr, in dem die erste</p>
      <p begin="00:44:34.202" id="p470" end="00:44:37.344">sozial-liberale Regierung eigentlich gekippt werden sollte,</p>
      <p begin="00:44:39.187" id="p471" end="00:44:46.321">und im Herbst kamen die vorgezogenen Bundestagswahlen.</p>
      <p begin="00:44:47.335" id="p472" end="00:44:54.094">Zu diesen Wahlen kandidierte auch der damalige Referent Willy Brandts,</p>
      <p begin="00:44:55.484" id="p473" end="00:45:02.571">Peter Reuschenbach, in seinem Heimatwahlkreis in Essen erstmalig für den Bundestag</p>
      <p begin="00:45:03.132" id="p474" end="00:45:08.132">er wurde dann später auch gewählt und das hatte zur Folge, dass Reuschenbach sich beurlauben ließ.</p>
      <p begin="00:45:10.000" id="p475" end="00:45:18.032">Und ich wurde vorgeschlagen seine Funktion für die Zeit des Wahlkampfes zu übernehmen,</p>
      <p begin="00:45:18.444" id="p476" end="00:45:21.093">also erster Wahlhelfer Willy Brandts zu werden.</p>
      <p begin="00:45:24.069" id="p477" end="00:45:30.157">Wir waren dann in den 6 Wochen bis zum Wahltach Tach und Nacht unterwegs.</p>
      <p begin="00:45:31.906" id="p478" end="00:45:37.063">Gemeinsam reisten wir im Sonderzug oder im Wagen oder im Flugzeug</p>
      <p begin="00:45:37.687" id="p479" end="00:45:43.313">kreuz und quer durch die Bundesrepublik und absolvierten Hunderte,</p>
      <p begin="00:45:44.125" id="p480" end="00:45:47.336">vielleicht sogar mehr als Tausend Wahlverantstaltungen.</p>
      <p begin="00:45:49.038" id="p481" end="00:45:59.055">Das brachte uns menschlich nahe und es hatte für mich</p>
      <p begin="00:46:00.328" id="p482" end="00:46:06.782">den großen Gewinn, dass ich Einblick bekam in die Regierungsarbeit des Bundeskanzlers.</p>
      <p begin="00:46:08.750" id="p483" end="00:46:11.554">Ich war der Einzje aus dem Kanzleramt, der ihn begleitete</p>
      <p begin="00:46:12.445" id="p484" end="00:46:18.235">und alle Post, alle Dokumente, die per Kurier oder per Fernschreiber</p>
      <p begin="00:46:18.944" id="p485" end="00:46:26.649">an den Bundeskanzler übermittelt wurden hatten im Kopf oder auf dem Umschlach den Vermerk:</p>
      <p begin="00:46:27.210" id="p486" end="00:46:29.469">An den Bundeskanzler über Herrn Guillaume.</p>
      <p begin="00:46:31.640" id="p487" end="00:46:36.813">Das wurde mir später im Prozess natürlich sehr, sehr vorgehalten,</p>
      <p begin="00:46:37.922" id="p488" end="00:46:39.110">es war ein Beweisstück.</p>
      <p begin="00:46:41.593" id="p489" end="00:46:50.641">Der erfolgreiche Wahlkampf, der Wahlsieg Willy Brandts führte dann dazu,</p>
      <p begin="00:46:51.664" id="p490" end="00:46:57.351">dass er gleich noch in der Wahlnacht sagte: Wir bleiben zusammen.</p>
      <p begin="00:46:58.594" id="p491" end="00:47:05.234">Und am nächsten Tage ordnete er an, dass ich in das Kanzlerbüro versetzt wurde</p>
      <p begin="00:47:05.883" id="p492" end="00:47:12.594">und dort sein persönlicher Referent für die Verbindung zur Partei</p>
      <p begin="00:47:13.218" id="p493" end="00:47:15.349">und zur eigenen Fraktion wurde.</p>
      <p begin="00:47:16.958" id="p494" end="00:47:30.975">[Vogelgezwitscher]</p>
      <p begin="00:47:31.000" id="p495" end="00:47:35.825">[Sprecher:] Treff mit Heinz, dem bewährten Instrukteur der Zentrale, gehörten zum Kundschafteralltag.</p>
      <p begin="00:47:37.695" id="p496" end="00:47:39.896">Doch nun war eine neue Lage entstanden.</p>
      <p begin="00:47:40.640" id="p497" end="00:47:43.756">Günters Einstellung als persönlicher Referent des Bundeskanzlers</p>
      <p begin="00:47:44.062" id="p498" end="00:47:46.553">eröffnete neue und größere Möglichkeiten.</p>
      <p begin="00:47:47.203" id="p499" end="00:47:50.203">Er war in das Zentrum der feindlichen Macht vorgedrungen.</p>
      <p begin="00:47:52.125" id="p500" end="00:47:54.592">Ein neues Verbindungssystem erwies sich als nötig</p>
      <p begin="00:47:54.859" id="p501" end="00:47:57.201">und wurde mit Hilfe von Heinz aufgebaut.</p>
      <p begin="00:47:58.124" id="p502" end="00:48:02.967">Neue Genossen kamen ins Einsatzgebiet, stellten sich Günter und Christel an die Seite.</p>
      <p begin="00:48:03.883" id="p503" end="00:48:06.201">Zu ihnen gehörten auch Wolfgang und Anita.</p>
      <p begin="00:48:08.000" id="p504" end="00:48:12.404">[Wolfgang:] Heinz, der über viele Jahre die Verbindung gehalten hatte, war es der</p>
      <p begin="00:48:13.281" id="p505" end="00:48:16.381">Günter und mich zusammenführte.</p>
      <p begin="00:48:17.156" id="p506" end="00:48:22.212">Es war um 1971, ich kann mich an diesen ersten Treff sehr genau erinnern.</p>
      <p begin="00:48:23.883" id="p507" end="00:48:30.156">Um den 7. Oktober trafen wir uns in einem kleinen Restaurant in Köln.</p>
      <p begin="00:48:31.375" id="p508" end="00:48:34.843">Wir sprachen dort über Dinge, die man halt so im Restaurant behandeln kann.</p>
      <p begin="00:48:35.421" id="p509" end="00:48:39.000">Erst auf einem anschließenden Spaziergang durch die Kölner Innenstadt</p>
      <p begin="00:48:39.531" id="p510" end="00:48:43.531">haben wir eingehend künftige Verbindungsfragen erörtert.</p>
      <p begin="00:48:45.156" id="p511" end="00:48:48.906">Tja, ursprünglich war für uns eine andere Aufgabe vorgesehen.</p>
      <p begin="00:48:50.968" id="p512" end="00:48:56.757">Ende der 60er Jahre waren wir in mehreren westeuropäischen Ländern,</p>
      <p begin="00:48:57.468" id="p513" end="00:49:02.023">kurzzeitig, um unsere Pseudonym aufzubauen und abzusichern.</p>
      <p begin="00:49:03.000" id="p514" end="00:49:06.507">Wir haben dann im Süden der Bundesrepublik eine Arbeit aufgenommen,</p>
      <p begin="00:49:07.156" id="p515" end="00:49:12.640">haben ein zweites Mal geheiratet, unsere Wohnung bezogen.</p>
      <p begin="00:49:13.218" id="p516" end="00:49:17.125">Tja und als es dann mit der eigentlichen Arbeit losgehen sollte,</p>
      <p begin="00:49:17.780" id="p517" end="00:49:24.359">entschied die Zentrale, nachdem es Christel und Günter gelungen war bis nach Bonn vorzustoßen</p>
      <p begin="00:49:25.000" id="p518" end="00:49:29.906">und damit für sie ein neues Verbindungssystem notwendig geworden war,</p>
      <p begin="00:49:30.437" id="p519" end="00:49:33.140">ihr beide übernehmt diese Aufgabe.</p>
      <p begin="00:49:34.640" id="p520" end="00:49:41.148">[Anita:] Ich lernte Günter etwas später kernen, kennen und kurz danach auch Christel</p>
      <p begin="00:49:42.000" id="p521" end="00:49:48.234">in jenem Restaurant, Casselsruhe, was für uns später von so großer Bedeutung sein sollte.</p>
      <p begin="00:49:49.773" id="p522" end="00:49:53.234">[Wolfgang:] Wir waren eigentlich sehr froh, dass alles so gut harmonierte.</p>
      <p begin="00:49:57.000" id="p523" end="00:50:01.148">Die Entscheidung für die Auswahl war richtig getroffen.</p>
      <p begin="00:50:02.147" id="p524" end="00:50:04.765">Wir waren offensichtlich die passenden Partner.</p>
      <p begin="00:50:06.664" id="p525" end="00:50:12.484">Christel und Günter berichteten in erster La, in erster Linie natürlich über ihre Arbeit,</p>
      <p begin="00:50:13.539" id="p526" end="00:50:18.570">eine Fülle wertvoller Informationen, Einschätzungen zu Personen,</p>
      <p begin="00:50:19.476" id="p527" end="00:50:25.476">Aussagen von Brandt, Bahr und Ehmke zu den gerade erst abgeschlossene Verträgen mit der Sowjetunion</p>
      <p begin="00:50:26.039" id="p528" end="00:50:27.820">und anderen sozialistischen Ländern,</p>
      <p begin="00:50:28.765" id="p529" end="00:50:33.148">zum Transitabkommen, das damals gerade erst unterzeichnet war</p>
      <p begin="00:50:34.265" id="p530" end="00:50:37.968">und erste interne Auffassungen zum Grundlagenvertrag.</p>
      <p begin="00:50:39.851" id="p531" end="00:50:44.890">Diese Fülle von wichtigen Informationen galt es der Zentrale zu übermitteln.</p>
      <p begin="00:50:46.930" id="p532" end="00:50:51.632">Es war eine hohe Verantwortung das alles so zu erfassen</p>
      <p begin="00:50:52.304" id="p533" end="00:50:55.500">und weiterzugeben, dass nichts verloren ging.</p>
      <p begin="00:50:57.648" id="p534" end="00:51:00.453">Wenn ich heute auf uns're Arbeit zurückblicke,</p>
      <p begin="00:51:01.226" id="p535" end="00:51:08.617">kann ich sagen es war eine verantwortungsvolle Arbeit, die hohe Anforderungen an uns stellte.</p>
      <p begin="00:51:11.117" id="p536" end="00:51:15.210">Wir waren sehr stolz, dass uns diese Aufgabe übertragen war.</p>
      <p begin="00:51:16.881" id="p537" end="00:51:21.015">Und eins kann ich für uns alle vier sagen, es war eine Arbeit,</p>
      <p begin="00:51:22.101" id="p538" end="00:51:25.101">die uns allen viel Spaß und Freude gemacht hat.</p>
      <p begin="00:51:26.913" id="p539" end="00:51:30.304">[Anita:] Uns're Treffs standen natürlich immer unter großem Zeitdruck</p>
      <p begin="00:51:30.843" id="p540" end="00:51:34.523">und mussten unter komplizierten Bedingungen durchgeführt werden.</p>
      <p begin="00:51:35.093" id="p541" end="00:51:38.601">Ich erinnere mich da an einen Treff,</p>
      <p begin="00:51:39.453" id="p542" end="00:51:44.031">der unmittelbar am Anschluss des SPD-Parteitages in Hannover stattfand.</p>
      <p begin="00:51:44.960" id="p543" end="00:51:48.343">Christel und Günter mussten anschließend verreisen,</p>
      <p begin="00:51:49.335" id="p544" end="00:51:51.476">wie mir also die Information übergeben.</p>
      <p begin="00:51:52.507" id="p545" end="00:51:56.327">Ich fuhr sozusagen als Anhalter in ihrem Auto mit</p>
      <p begin="00:51:57.633" id="p546" end="00:52:05.000">und Günter schilderte mir seine Eindrücke vom Parteitag, Christel fuhr das Auto,</p>
      <p begin="00:52:06.625" id="p547" end="00:52:11.094">und anschließend besprach Günter ein Tonband,</p>
      <p begin="00:52:11.945" id="p548" end="00:52:16.914">worauf er all die Informationen gab, die es wichtig war zu übermitteln.</p>
      <p begin="00:52:18.367" id="p549" end="00:52:24.914">In Freiburg verließ ich das Auto, in meiner Tasche alle Informationen</p>
      <p begin="00:52:24.939" id="p550" end="00:52:31.210">und im Kopf hoffentlich alle Eindrücke, um sie dann der Zentrale zu überbringen.</p>
      <p begin="00:52:33.968" id="p551" end="00:52:36.171">Ich muss sagen, in all der Zeit</p>
      <p begin="00:52:37.515" id="p552" end="00:52:42.140">haben wir Christel und Günter großen Respekt und Hochachtung dafür entgegen gebracht,</p>
      <p begin="00:52:43.164" id="p553" end="00:52:46.265">dass sie diese vielfältjen Belastungen ausgehalten haben</p>
      <p begin="00:52:47.219" id="p554" end="00:52:49.789">und auch so mit solcher Umsicht gemeistert haben.</p>
      <p begin="00:52:50.257" id="p555" end="00:52:57.968">Am 13. August 1973 traf ich Christel in diesem Gartenrestaurant in Casselsruhe,</p>
      <p begin="00:52:59.164" id="p556" end="00:53:03.320">da bemerkte ich, wie am Nachbartisch einer von drei Herren</p>
      <p begin="00:53:03.937" id="p557" end="00:53:05.828">eine Aktentasche auf den Tisch stellte</p>
      <p begin="00:53:06.813" id="p558" end="00:53:10.031">und in etwas ungewöhnlicher Weise am Griff manipulierte.</p>
      <p begin="00:53:11.492" id="p559" end="00:53:17.327">Das fiel mir auf und bei näherem Hinsehen bemerkte ich an der Stirnseite dieser Tasche ein Loch</p>
      <p begin="00:53:18.335" id="p560" end="00:53:20.273">und mich durchfuhr ein wahnsinniger Schreckt.</p>
      <p begin="00:53:22.391" id="p561" end="00:53:26.391">Ich sagte, lachend, denn so war unsere Unterhaltung zu Christel,</p>
      <p begin="00:53:27.006" id="p562" end="00:53:29.952">"Du jetzt lach mal weiter und guck dich mal nicht um,</p>
      <p begin="00:53:30.625" id="p563" end="00:53:32.625">ich glaube die haben uns eben fotografiert."</p>
      <p begin="00:53:34.625" id="p564" end="00:53:37.983">Nach einer Weile sachte sie lachend zu mir: "Du hast recht."</p>
      <p begin="00:53:39.101" id="p565" end="00:53:42.233">Also nichts wie weg, denn wir warteten ja eigentlich auf Günter.</p>
      <p begin="00:53:44.265" id="p566" end="00:53:50.460">Bei der Autofahrt durch Bonn mussten wir uns're, fanden wir unsere Beobachtung bestätigt.</p>
      <p begin="00:53:53.350" id="p567" end="00:54:01.210">Wir verabredeten uns eine Legende für unseren Treff und trennten uns.</p>
      <p begin="00:54:02.851" id="p568" end="00:54:07.952">Ich fuhr nach Köln mit einer Gruppe, hinter mir natürlich,</p>
      <p begin="00:54:10.140" id="p569" end="00:54:13.819">lief durch Köln, die Stadt kannte ich zum Glück sehr gut,</p>
      <p begin="00:54:14.929" id="p570" end="00:54:16.929">die Verfolger immer hinter mir.</p>
      <p begin="00:54:18.898" id="p571" end="00:54:22.475">Ich muss sagen mein Gehirn war wie ausgeschaltet</p>
      <p begin="00:54:23.905" id="p572" end="00:54:28.483">und ich konnte eigentlich gar nicht mehr richtig denken, aber gerade das war ja jetzt notwendig.</p>
      <p begin="00:54:31.344" id="p573" end="00:54:36.749">Bei dieser vierstündigen Verfolgung gelang es mir dann letztlich</p>
      <p begin="00:54:37.789" id="p574" end="00:54:40.561">noch eine Straßenbahn zu bekommen</p>
      <p begin="00:54:41.898" id="p575" end="00:54:48.069">und ich hatte den Eindruck, dass nur noch einer dieser Männer nach mir einstieg,</p>
      <p begin="00:54:48.421" id="p576" end="00:54:51.421">ich setzte mich neben ihn auf den Sitz,</p>
      <p begin="00:54:52.265" id="p577" end="00:54:55.670">weil ich in meiner Angst eigentlich nur verhindern wollte,</p>
      <p begin="00:54:56.585" id="p578" end="00:55:00.344">dass er über Sprechfunk für Nachschub sorgte.</p>
      <p begin="00:55:01.000" id="p579" end="00:55:04.436">Er stieg dann auch ziemlich bald aus und ich fuhr bis zur Endhaltestelle weiter.</p>
      <p begin="00:55:07.195" id="p580" end="00:55:14.436">Geschafft. Ich lief noch durch ein' Park und zum Hotel zurück,</p>
      <p begin="00:55:15.476" id="p581" end="00:55:20.670">weil ich mir sicher war, dass mich vom Hotel zum Treff keiner beobachtet hatte.</p>
      <p begin="00:55:20.881" id="p582" end="00:55:29.335">[unverständliches Gerede]</p>
      <p begin="00:55:29.633" id="p583" end="00:55:36.633">Am nächsten Tag fuhr ich, mit einem Tag Verspätung allerdings, nach Berlin zurück.</p>
      <p begin="00:55:36.928" id="p584" end="00:55:43.944">[unverständliches Gerede]</p>
      <p begin="00:55:44.218" id="p585" end="00:55:48.928">Der Genosse, der mich schon oftmals auf Reisen geschickt hatte,</p>
      <p begin="00:55:50.014" id="p586" end="00:55:51.811">wartete schon ungeduldig auf mich.</p>
      <p begin="00:55:52.445" id="p587" end="00:55:55.858">Er war es nicht gewöhnt, er schätzte meine Pünktlichkeit.</p>
      <p begin="00:55:59.375" id="p588" end="00:56:04.975">[Wolfgang:] Die von Anita wahrgenommene Observation verlangte eine klare Analyse der Situation.</p>
      <p begin="00:56:05.648" id="p589" end="00:56:09.648">Es galt vorallem herauszufinden, was war Ursache und Anlass der Beobachtung.</p>
      <p begin="00:56:10.638" id="p590" end="00:56:12.233">Die Situation war widersprüchlich.</p>
      <p begin="00:56:13.270" id="p591" end="00:56:18.452">Erstens gab es nach wie vor ein ungestörtes Vertrauensverhältnis des Bundeskanzlers zu Günter.</p>
      <p begin="00:56:19.668" id="p592" end="00:56:25.321">Mit dem Zugang zu vertraulichen Informationen, zu hochvertraulichen Informationen,</p>
      <p begin="00:56:25.817" id="p593" end="00:56:30.041">ich denke an die Norwegenreise und an die Dokumente der NATO-Ratstagung,</p>
      <p begin="00:56:30.469" id="p594" end="00:56:34.469">konnte man sogar von einem gestiegenen Vertrauensverhältnis ausgehen.</p>
      <p begin="00:56:35.555" id="p595" end="00:56:40.102">Und das wiederum stand ja im Widerspruch zur festgestellten Observation.</p>
      <p begin="00:56:41.095" id="p596" end="00:56:46.881">Musste aber nicht, denn zweitens galt die Beobachtung ausschließlich Christel.</p>
      <p begin="00:56:47.731" id="p597" end="00:56:50.611">Und das wiederum konnte im Zusammenhang stehen</p>
      <p begin="00:56:51.043" id="p598" end="00:56:56.207">mit der beabsichtigten Einstellung von Christel im Bundesverteidigungsministerium.</p>
      <p begin="00:56:58.312" id="p599" end="00:57:04.312">Drittens gab es, nach unserer Kenntnis, seit Günters Einstellung im Kanzleramt</p>
      <p begin="00:57:05.286" id="p600" end="00:57:10.136">und im Ergebnis der Sicherheitsüber, der Sicherheitsüberprüfung der Zentrale</p>
      <p begin="00:57:11.000" id="p601" end="00:57:13.747">keine neuen belasteten Momente.</p>
      <p begin="00:57:14.834" id="p602" end="00:57:20.614">Allerdings konnten wir damals nicht wissen, dass es dem Gegner gelungen war</p>
      <p begin="00:57:21.200" id="p603" end="00:57:24.598">Funksprüche aus der Anfangsphase zuzuordnen.</p>
      <p begin="00:57:26.338" id="p604" end="00:57:32.419">Und viertens unterstrich die Beendigung der Observation im Januar '74</p>
      <p begin="00:57:34.086" id="p605" end="00:57:41.065">und die Tatsache, dass es im Umfeld beider Genossen keine veränderten Bedingungen gab</p>
      <p begin="00:57:42.139" id="p606" end="00:57:49.685">die Annahme, dass es sich nur um eine normale Überprüfung gehandelt haben könne.</p>
      <p begin="00:57:51.956" id="p607" end="00:57:56.525">Vor allem musste die damalige politische Situation berücksichtigt werden.</p>
      <p begin="00:57:57.659" id="p608" end="00:58:04.867">Es bestand Klarheit darüber, dass eine Enttarnung der Kundschafter</p>
      <p begin="00:58:05.407" id="p609" end="00:58:07.576">zu einem politischen Eklat geführt hätte.</p>
      <p begin="00:58:08.790" id="p610" end="00:58:13.790">Ein vorzeitiger Abzug hätte ihn mit Sicherheit ebenso gebracht.</p>
      <p begin="00:58:14.590" id="p611" end="00:58:16.491">[Musik]</p>
      <p begin="00:58:16.516" id="p612" end="00:58:21.490">Hinzu kommt, dass die Position, die insbesondere Günter innehatte,</p>
      <p begin="00:58:23.000" id="p613" end="00:58:28.669">für die Sicherung der DDR und des gesamten sozialistischen Lagers</p>
      <p begin="00:58:28.694" id="p614" end="00:58:33.530">vor einem Überraschungsangriff von besonderer Bedeutung war.</p>
      <p begin="00:58:34.756" id="p615" end="00:58:39.485">Denn im militärischen Bereich gab es eben keine Entspannung.</p>
      <p begin="00:58:39.510" id="p616" end="00:58:54.702">[Musik]</p>
      <p begin="00:58:54.727" id="p617" end="00:58:59.407">Tja und so wurde in Abwägung all dieser Faktoren entschieden:</p>
      <p begin="00:59:00.616" id="p618" end="00:59:05.205">Erstens, alles belastende Material ist zu vernichten.</p>
      <p begin="00:59:06.469" id="p619" end="00:59:12.645">Zweitens, Treffs finden nur unter den Bedingungen äußerster Konspiration statt.</p>
      <p begin="00:59:13.712" id="p620" end="00:59:17.303">Und drittens ist für die vom Gegner beobachtete,</p>
      <p begin="00:59:18.487" id="p621" end="00:59:22.098">das vom Gegner beobachtete Zusammentreffen zwischen Christel und Anita</p>
      <p begin="00:59:22.705" id="p622" end="00:59:24.520">eine Legende festzulegen.</p>
      <p begin="00:59:28.000" id="p623" end="00:59:31.959">Tja und was ich persönlich besonders hoch schätze:</p>
      <p begin="00:59:33.408" id="p624" end="00:59:40.101">Niemals, auch nicht im Ansatz ist von beiden Genossen irgendwann einmal</p>
      <p begin="00:59:40.720" id="p625" end="00:59:43.313">der Wunsch auf Rückzug geäußert worden.</p>
      <p begin="00:59:45.182" id="p626" end="00:59:52.480">Ihre Haltung war 'Spitzenposition bedeutet Spitzenrisiko'</p>
      <p begin="00:59:53.485" id="p627" end="00:59:56.485">und eine solche Stellung gibt man nicht auf.</p>
      <p begin="00:59:57.072" id="p628" end="01:00:14.248">[Musik]</p>
      <p begin="01:00:14.273" id="p629" end="01:00:18.748">[Nachrichtensprecher:] Die historischen außen- und innenpolitischen Dimensionen dieses Spionagefalls</p>
      <p begin="01:00:18.773" id="p630" end="01:00:21.773">wurden von parteipolitischen Auseinandersetzungen überdeckt.</p>
      <p begin="01:00:22.956" id="p631" end="01:00:27.209">Die unklare Rolle von Verfassungsschutzpräsident Dr. Günther Nollau dagegen,</p>
      <p begin="01:00:27.234" id="p632" end="01:00:29.818">der immer wieder vor den Ausschuss geladen wurde,</p>
      <p begin="01:00:29.843" id="p633" end="01:00:32.607">war eher geeignet, Staatsverdrossenheit zu nähren.</p>
      <p begin="01:00:32.983" id="p634" end="01:00:37.044">Der Verdacht kam auf, Nollau könne seinen Förderer, Herbert Wehner,</p>
      <p begin="01:00:37.069" id="p635" end="01:00:39.478">über die Enttarnung Guillaumes unterrichtet haben,</p>
      <p begin="01:00:39.503" id="p636" end="01:00:43.330">noch bevor der zuständige Bundesinnenminister davon erfuhr.</p>
      <p begin="01:00:43.355" id="p637" end="01:00:46.975">Tatsächlich fühlten sich Hans-Dietrich Genscher, aber auch Willy Brandt</p>
      <p begin="01:00:47.000" id="p638" end="01:00:50.107">von Nollau nur unzureichend über Guillaume informiert.</p>
      <p begin="01:00:50.826" id="p639" end="01:00:54.464">[Nachrichtensprecher 2:] Erste vorgebrachte Sicherheitsbedenken gegen Guillaume hätten sich nicht bestätigt.</p>
      <p begin="01:00:54.757" id="p640" end="01:00:58.440">Die Verdachtsmomente des damaligen Innenministers Genscher habe er angehört,</p>
      <p begin="01:00:58.687" id="p641" end="01:01:01.591">einer Beobachtung Guillaumes im Amt und auf Reisen zugestimmt.</p>
      <p begin="01:01:02.043" id="p642" end="01:01:05.088">Dass er nichts von dieser Observierung seines Referenten bemerkte,</p>
      <p begin="01:01:05.113" id="p643" end="01:01:06.740">erweckte bei Brandt den Anschein,</p>
      <p begin="01:01:06.765" id="p644" end="01:01:09.367">dass die Überwachung besonders geschickt gehandhabt wurde.</p>
      <p begin="01:01:09.774" id="p645" end="01:01:13.209">Und weil er in der Folgezeit nichts Negatives über Guillaume erfuhr,</p>
      <p begin="01:01:13.234" id="p646" end="01:01:16.763">habe er die Verdachtsmomente noch bis März 1974,</p>
      <p begin="01:01:17.033" id="p647" end="01:01:20.496">also knapp 2 Monate vor seinem Rücktritt, für unbegründet gehalten.</p>
      <p begin="01:01:21.000" id="p648" end="01:01:24.470">[Hans-Dietrich Genscher:] Meine Damen und Herren, aus der Verantwortung meines Amtes heraus</p>
      <p begin="01:01:24.495" id="p649" end="01:01:27.926">erkläre ich, ich hätte die Sicherheitsorgane rügen müssen.</p>
      <p begin="01:01:28.121" id="p650" end="01:01:29.940">Wenn sie sich nicht so verhalten hätten...</p>
      <p begin="01:01:29.965" id="p651" end="01:01:33.862">[Sprecher:] Hektik, Verwirrung, Kopflosigkeit, gegenseitige Anklagen und Vorwürfe,</p>
      <p begin="01:01:33.887" id="p652" end="01:01:37.162">Intrigen der Geheimdienste und Parteiencliquen.</p>
      <p begin="01:01:37.608" id="p653" end="01:01:39.263">Bei wem bleibt der schwarze Peter?</p>
      <p begin="01:01:39.320" id="p654" end="01:01:40.538">[Hans-Dietrich Genscher:] ...das allein entscheidet.</p>
      <p begin="01:01:40.563" id="p655" end="01:01:44.975">[Applaus]</p>
      <p begin="01:01:45.335" id="p656" end="01:01:52.757">[Christel Guillaume:] Nach der Verhaftung wurde von Günter und von mir in den Massenmedien der Bundesrepublik</p>
      <p begin="01:01:53.173" id="p657" end="01:01:56.559">ein derart monströses Charakterbild entwickelt,</p>
      <p begin="01:01:56.756" id="p658" end="01:01:59.849">dass es für uns selbstverständliche Pflicht war,</p>
      <p begin="01:02:00.051" id="p659" end="01:02:07.610">durch unser persönliches Auftreten eine aufrechte Erhaltung, Standhaftigkeit und Disziplin</p>
      <p begin="01:02:07.886" id="p660" end="01:02:12.662">während des Prozesses vor aller Öffentlichkeit dieses Bild zu widerlegen.</p>
      <p begin="01:02:13.859" id="p661" end="01:02:20.361">Wir standen nicht als irgendwelche Kriminelle vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf,</p>
      <p begin="01:02:20.694" id="p662" end="01:02:22.694">sondern als Kundschafter des Friedens,</p>
      <p begin="01:02:23.346" id="p663" end="01:02:27.346">als Kämpfer gegen die Aggressionspläne des Klassenfeindes.</p>
      <p begin="01:02:28.199" id="p664" end="01:02:32.557">Wir waren ohne Schuld, denn dieser... unser Kampf</p>
      <p begin="01:02:32.913" id="p665" end="01:02:40.214">war uns durch die politische Entwicklung in der BRD aufgezwungen worden und dadurch legitim.</p>
      <p begin="01:02:40.973" id="p666" end="01:02:44.511">[Nachrichtensprecher 3:] Guillaume, von der Untersuchungshaft etwas blass, etwas weniger füllig,</p>
      <p begin="01:02:44.791" id="p667" end="01:02:48.391">und seine Frau lassen alles ziemlich heiter und gelassen über sich ergehen.</p>
      <p begin="01:02:48.982" id="p668" end="01:02:54.120">Dies ist der Mann, der seit 20 Jahren als Offizier des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit</p>
      <p begin="01:02:54.416" id="p669" end="01:02:56.958">auf die SPD angesetzt war und am Ende</p>
      <p begin="01:02:57.234" id="p670" end="01:03:01.047">den Rücktritt des von ihm ausspionierten Bundeskanzlers Brandt bewirkte.</p>
      <p begin="01:03:01.503" id="p671" end="01:03:06.090">Seinen größten Coup konnte der SPD- und Gewerkschaftsreferent im Kanzleramt landen,</p>
      <p begin="01:03:06.303" id="p672" end="01:03:08.686">als er Willy Brandt auf Reisen begleitete.</p>
      <p begin="01:03:08.946" id="p673" end="01:03:13.506">Diese einzigartigen Aufnahmen von Guillaume drehte unser Kamerateam in Norwegen</p>
      <p begin="01:03:13.531" id="p674" end="01:03:16.142">im Sommerurlaub des Kanzlers 1973.</p>
      <p begin="01:03:16.512" id="p675" end="01:03:19.892">Guillaume hatte wegen einer Kette von Pannen in der Bonner Abwehr</p>
      <p begin="01:03:20.234" id="p676" end="01:03:24.936">Gelegenheit im Chiffrierraum für den Kanzler bestimmte geheime Fernschreiben zu lesen</p>
      <p begin="01:03:25.147" id="p677" end="01:03:29.337">und an sich zu nehmen, unter anderem ein Schreiben des US-Präsidenten Nixon</p>
      <p begin="01:03:29.590" id="p678" end="01:03:31.590">und NATO-Verteidigungspapiere.</p>
      <p begin="01:03:31.878" id="p679" end="01:03:35.248">Die heutige Verhandlung vor den fünf Richtern des vierten Strafsenats</p>
      <p begin="01:03:35.477" id="p680" end="01:03:38.261">wirkte unterkühlt, wie die Klimaanlage des Saals.</p>
      <p begin="01:03:38.618" id="p681" end="01:03:42.426">Da Guillaume und seine Frau weder zur Person noch zur Sache aussagen wollten,</p>
      <p begin="01:03:42.451" id="p682" end="01:03:47.451">verlas das Gericht mehrere Personalurkunden bis hin zu den Schulzeugnissen von Frau Guillaume.</p>
      <p begin="01:03:47.947" id="p683" end="01:03:50.470">[Nachrichtensprecher 4:] Richtig brisant wird dieser Spionageprozess erst,</p>
      <p begin="01:03:50.495" id="p684" end="01:03:52.871">wenn Guillaumes Bonner Tätigkeit zur Sprache kommt</p>
      <p begin="01:03:52.896" id="p685" end="01:03:57.063">und seine damaligen Bonner Dienstvorgesetzten als Zeugen aussagen werden.</p>
      <p begin="01:03:57.390" id="p686" end="01:04:00.092">Für den Prozess sind 15 Verhandlungstage angesetzt.</p>
      <p begin="01:04:00.630" id="p687" end="01:04:04.328">[Nachrichtensprecher 5:] Der erste sozialdemokratische deutsche Bundeskanzler trat zurück,</p>
      <p begin="01:04:04.554" id="p688" end="01:04:07.554">weil er sich nach dem Fall Guillaume, so Brandt selbst,</p>
      <p begin="01:04:07.991" id="p689" end="01:04:13.599">für Verhandlungen mit der DDR und vielleicht darüber hinaus nicht mehr unbefangen genug fühlte.</p>
      <p begin="01:04:13.789" id="p690" end="01:04:15.709">[Applaus]</p>
      <p begin="01:04:15.734" id="p691" end="01:04:21.720">Ein neuer Kanzler ging daran die in den Abschwung geratene Sozialdemokraten zu konsolidieren.</p>
      <p begin="01:04:24.519" id="p692" end="01:04:27.705">[Sprecher:] Er war nicht Guillaumes Opfer, der Herr Bundeskanzler,</p>
      <p begin="01:04:27.844" id="p693" end="01:04:33.278">an seinem Sturz haben ganz andere Leute gearbeitet, lange vor dem Fall Guillaume.</p>
      <p begin="01:04:33.642" id="p694" end="01:04:36.967">Schon Ende 1973 erschien der Spiegel mit diesem Titel.</p>
      <p begin="01:04:39.947" id="p695" end="01:04:44.962">Ja, was machen. Selbst in den eigenen Reihen galt er schon nicht mehr als Macher</p>
      <p begin="01:04:45.372" id="p696" end="01:04:48.868">Man machte es mit ihm und ließ ihn ins offene Messer rennen.</p>
      <p begin="01:04:51.225" id="p697" end="01:04:55.318">[Nachrichtensprecher 6:] Der Spionageprozess gegen den DDR-Agenten und früheren Referenten im Kanzleramt Guillaume,</p>
      <p begin="01:04:55.343" id="p698" end="01:04:58.746">sowie dessen Ehefrau wurde vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf</p>
      <p begin="01:04:58.771" id="p699" end="01:05:01.325">nach dreißigtägiger Verhandlungspause fortgesetzt.</p>
      <p begin="01:05:02.000" id="p700" end="01:05:04.920">Heute sagten der SPD-Bundestagsabgeordnete Ehrenberg</p>
      <p begin="01:05:04.945" id="p701" end="01:05:07.383">und Verteidigungsminister Leber als Zeugen aus.</p>
      <p begin="01:05:07.408" id="p702" end="01:05:11.122">[Nachrichtensprecher 7:] Leber lobte Guillaume, den er 1961 flüchtig kennengelernt,</p>
      <p begin="01:05:11.147" id="p703" end="01:05:14.279">der 1965 in seiner Wahlkampfmannschaft gearbeitet</p>
      <p begin="01:05:14.304" id="p704" end="01:05:19.840">und der bei den Bundestagswahlen 1969 Sprecher seines Frankfurter Wahlkreises 140 gewesen war,</p>
      <p begin="01:05:19.865" id="p705" end="01:05:20.956">in höchsten Tönen.</p>
      <p begin="01:05:21.487" id="p706" end="01:05:24.975">Guillaume war stets informiert, hilfsbereit, reaktionsfähig,</p>
      <p begin="01:05:25.000" id="p707" end="01:05:26.820">er war stets da, wenn er gebraucht wurde.</p>
      <p begin="01:05:27.462" id="p708" end="01:05:30.084">Leber wörtlich: "Ich war zufrieden mit dem Mann,</p>
      <p begin="01:05:30.109" id="p709" end="01:05:33.200">ich konnte mir eigentlich keinen besseren Wahlkreissprecher wünschen."</p>
      <p begin="01:05:34.034" id="p710" end="01:05:37.975">Ähnlich positiv äußerte sich auch der zweite Zeuge Herbert Ehrenberg,</p>
      <p begin="01:05:38.000" id="p711" end="01:05:42.479">1969 bis 71 Leiter der Wirtschaftsabteilung im Kanzleramt.</p>
      <p begin="01:05:42.930" id="p712" end="01:05:45.209">Aufgrund seiner Frankfurter Erfahrungen mit Guillaume,</p>
      <p begin="01:05:45.234" id="p713" end="01:05:49.684">war Ehrenberg froh, den, so wörtlich, organisatorisch ungewöhnlich befähigten Mann</p>
      <p begin="01:05:49.709" id="p714" end="01:05:51.515">in sein Referat holen zu können.</p>
      <p begin="01:05:51.540" id="p715" end="01:05:55.409">[Nachrichtensprecher 8:] Prozess in Düsseldorf wurde heute Bundesminister Bahr als Zeuge vernommen.</p>
      <p begin="01:05:55.434" id="p716" end="01:05:58.330">Wegen einer, wie es hieß, möglichen Gefährdung der Staatssicherheit,</p>
      <p begin="01:05:58.547" id="p717" end="01:06:02.219">wurde die Öffentlichkeit bei den Vernehmung Bahrs zeitweise ausgeschlossen.</p>
      <p begin="01:06:03.199" id="p718" end="01:06:08.729">[Nachrichtensprecher 9:] 35 Journalisten und 30 zugelassene Zuschauer drängten sich an diesem 23. Verhandlungstag</p>
      <p begin="01:06:09.069" id="p719" end="01:06:11.316">vor dem kleinen abhörsicheren Gerichtssaal,</p>
      <p begin="01:06:11.487" id="p720" end="01:06:14.962">um den 95. Zeugenauftritt in diesem Prozess mitzuerleben.</p>
      <p begin="01:06:15.327" id="p721" end="01:06:20.448">Erst nach seiner mehr als vierstündigen Vernehmung war der SPD-Vorsitzende dann für die Kameras sichtbar.</p>
      <p begin="01:06:20.730" id="p722" end="01:06:23.859">Willy Brandt hatte auf die Fragen des Gerichts und der Bundesanwaltschaft</p>
      <p begin="01:06:24.130" id="p723" end="01:06:26.365">eine überzeugende Darstellung der Tätigkeit</p>
      <p begin="01:06:26.390" id="p724" end="01:06:30.205">seines Referenten Guillaume im Kanzleramt aus seiner Sicht gegeben.</p>
      <p begin="01:06:30.413" id="p725" end="01:06:33.417">'Zeuge Brandt, nehmen sie bitte Platz.' hatte der Vorsitzende gesagt,</p>
      <p begin="01:06:33.442" id="p726" end="01:06:36.125">als Brandt am Vormittag den Gerichtssaal betreten hatte.</p>
      <p begin="01:06:36.455" id="p727" end="01:06:40.975">Brandt bestätigte, dass Guillaume auf vielfältige Weise auch zu Verschluss- und Geheimsachen</p>
      <p begin="01:06:41.000" id="p728" end="01:06:45.000">Zugang hatte und drückte damit noch einmal seine anderslautende erste Auskunft</p>
      <p begin="01:06:45.000" id="p729" end="01:06:49.000">vor dem Deutschen Bundestag nach der Festnahme Guillaumes zurecht.</p>
      <p begin="01:06:49.696" id="p730" end="01:06:54.027">Über Sachprobleme hat Brandt, nach seinen Aussagen, mit Guillaume kaum gesprochen.</p>
      <p begin="01:06:54.052" id="p731" end="01:06:58.191">Von Bedeutung ist dagegen Brandts Meinung, dass Guillaume</p>
      <p begin="01:06:58.216" id="p732" end="01:07:02.627">bei zahlreichen Hintergrundgesprächen am Rande auch von vertraulichen Zusammenkünften</p>
      <p begin="01:07:02.652" id="p733" end="01:07:08.044">der SPD-Führungsspitze und von Staatsmännern sozialdemokratisch regierter Länder</p>
      <p begin="01:07:08.069" id="p734" end="01:07:10.474">wichtige Erkenntnisse gewinnen konnte.</p>
      <p begin="01:07:10.669" id="p735" end="01:07:15.734">Den potentiellen Schaden für die Bundesrepublik hielt der frühere Kanzler für erheblich.</p>
      <p begin="01:07:30.000" id="p736" end="01:07:36.115">[Christel Guillaume:] Es war sehr schwer sich in eine Umgebung und in Lebensumstände einzuordnen,</p>
      <p begin="01:07:36.921" id="p737" end="01:07:42.287">die uns bis zu dieser Stunde völlig fremd und auch unverständlich waren.</p>
      <p begin="01:07:43.372" id="p738" end="01:07:48.372">Es hat sehr viel physische und auch psychische Kraft gekostet.</p>
      <p begin="01:07:49.726" id="p739" end="01:07:57.530">Es galt auf eine in der Länge nicht absehbare Zeit sich darauf einzustellen,</p>
      <p begin="01:07:57.555" id="p740" end="01:08:05.598">ständig die Waage zu halten zwischen notwendiger Anpassung an die gegebenen Umstände,</p>
      <p begin="01:08:05.802" id="p741" end="01:08:11.184">einfach um zu überleben und einer konsequenten Distance,</p>
      <p begin="01:08:11.635" id="p742" end="01:08:19.353">die es den feindlichen Verfassungs- und Justizorganen verwehrten zu nah an uns heranzutreten.</p>
      <p begin="01:08:22.000" id="p743" end="01:08:31.193">Hierzu war die Ausschöpfung aller physischen und psychischen Kraftreserven erforderlich.</p>
      <p begin="01:08:32.059" id="p744" end="01:08:40.059">Und ich kann aus meiner Erfahrung sagen, dass diese Reserven, diese Kraftreserven größer sind,</p>
      <p begin="01:08:41.034" id="p745" end="01:08:47.408">als man vor dem Eintreten einer solchen Ausnahmesituation überhaupt für möglich hält.</p>
      <p begin="01:08:48.059" id="p746" end="01:08:50.569">[anhaltender Applaus]</p>
      <p begin="01:08:50.594" id="p747" end="01:08:53.975">Im Ministerium für Staatssicherheit, es ist die Zeit vor dem neunten Parteitag,</p>
      <p begin="01:08:54.000" id="p748" end="01:08:57.278">kommen die Genossen zu einer Parteikonferenz zusammen.</p>
      <p begin="01:08:59.173" id="p749" end="01:09:06.279">Genossinnen und Genossen, unsere im Operationsgebiet wirkenden Kundschafter</p>
      <p begin="01:09:06.304" id="p750" end="01:09:11.191">beziehen im Wesentlichen in diesen Fragen eine klare Klassenposition,</p>
      <p begin="01:09:11.764" id="p751" end="01:09:15.193">und halten dem verstärkten Druck des Feindes stand.</p>
      <p begin="01:09:16.868" id="p752" end="01:09:23.032">Dafür mag auch das Beispiel unserer Kundschafter Christel und Günter Guillaume dienen,</p>
      <p begin="01:09:23.486" id="p753" end="01:09:29.486">denen wir heute Morgen das Mandat als Ehrndelegierte unserer Konferenz erteilten.</p>
      <p begin="01:09:30.782" id="p754" end="01:09:34.586">Es geht nicht darum Rückschläge in Erfolge umzumünzen,</p>
      <p begin="01:09:35.332" id="p755" end="01:09:39.794">aber ihr Beispiel an Standhaftigkeit gegenüber dem Klassenfeind</p>
      <p begin="01:09:40.416" id="p756" end="01:09:46.044">übt einen positiven, stabilisierenden Einfluss auf unser inoffizielles Netz aus.</p>
      <p begin="01:09:46.642" id="p757" end="01:09:53.642">Genossen, ich habe nun die ehrenvolle Aufgabe die Grüße der Genossen Christel und Günter Guillaume</p>
      <p begin="01:09:54.017" id="p758" end="01:09:59.586">an die Parteiorganisation des Ministeriums für Staatssicherheit zu verlesen.</p>
      <p begin="01:10:01.199" id="p759" end="01:10:11.565">Genosse Günter Guillaume schreibt uns: 'BRD-Gefängnis Köln-Ossendorf, Februar 1976.</p>
      <p begin="01:10:13.320" id="p760" end="01:10:18.474">Zunächst will ich allen Genossen unserer Parteiorganisation bitten,</p>
      <p begin="01:10:18.930" id="p761" end="01:10:22.901">auch die Kampfesgrüße von Christel und mir entgegenzunehmen.</p>
      <p begin="01:10:24.000" id="p762" end="01:10:28.700">Wir möchten Ihnen allen für die Solidarität danken und versichern,</p>
      <p begin="01:10:29.442" id="p763" end="01:10:33.266">dass wir nach wie vor ungebrochen und kampfbereit sind.</p>
      <p begin="01:10:34.668" id="p764" end="01:10:41.834">Wir möchten die Mitglieder und hier versammelten Diligierten auffordern, sich mit uns zu verpflichten,</p>
      <p begin="01:10:42.555" id="p765" end="01:10:49.555">die neuen Zielsetzungen unserer Partei mit höchstem persönlichem Einsatz anzustreben,</p>
      <p begin="01:10:50.103" id="p766" end="01:10:58.535">jederzeit unsere Deutsche Demokratische Republik, ihre Bürger und deren sozialistische Errungenschaften</p>
      <p begin="01:10:59.138" id="p767" end="01:11:03.579">vor den Aggressions- und Subversionsgelüsten der Feinde zu schützen,</p>
      <p begin="01:11:04.581" id="p768" end="01:11:10.993">und im festen Bündnis mit der UdSSR und den andern sozialistischen Staaten</p>
      <p begin="01:11:11.018" id="p769" end="01:11:13.197">für den Frieden der Welt zu kämpfen.</p>
      <p begin="01:11:15.000" id="p770" end="01:11:22.000">Es lebe die starke und erfolgreiche Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, Günter Guillaume.</p>
      <p begin="01:11:22.356" id="p771" end="01:11:40.062">[Applaus]</p>
      <p begin="01:11:40.087" id="p772" end="01:11:50.496">Genossen, damit zugleich übersendet uns Günter ein hinter Kerkermauern angefertigtes</p>
      <p begin="01:11:51.000" id="p773" end="01:11:57.554">symbolisches Geschenk an unsere Parteiorganisation, das ich hiermit überreichen möchte.</p>
      <p begin="01:11:58.292" id="p774" end="01:12:23.950">[Applaus]</p>
      <p begin="01:12:23.975" id="p775" end="01:12:30.975">[Männliche Person:] Liebe Genossinnen und Genossen, wir danken unsrer Christel und Günter Gui... Guillaume</p>
      <p begin="01:12:31.415" id="p776" end="01:12:36.415">für die herzlichen Grüße, die sie an unsere Deligiertenkonferenz gerichtet haben.</p>
      <p begin="01:12:36.991" id="p777" end="01:12:43.141">Wir möchten Ihnen versichern, dass wir alles tun werden, unsere Kräfte einsetzen werden,</p>
      <p begin="01:12:43.487" id="p778" end="01:12:46.804">damit sie bald aus dem Gefängnis freigekämpft werden.</p>
      <p begin="01:12:47.247" id="p779" end="01:13:01.700">[Applaus]</p>
      <p begin="01:13:13.400" id="p780" end="01:13:20.301">[Motorengeräusche]</p>
      <p begin="01:13:20.334" id="p781" end="01:13:25.990">[Sprecher:] Geschafft. Nach hartnäckigem Bemühen wurde Christel, ein halbes Jahr vor Günter, freigekämpft.</p>
      <p begin="01:13:26.132" id="p782" end="01:13:28.132">[Werner Großmann:] Christel, Christel, Mensch, Christel.</p>
      <p begin="01:13:28.165" id="p783" end="01:13:29.889">[Christel Guillaume:] Oh Gott, ich freu mich so.</p>
      <p begin="01:13:29.936" id="p784" end="01:13:31.693">[Werner Großmann:] Es, es hat lange gedauert du, Ach.</p>
      <p begin="01:13:32.000" id="p785" end="01:13:37.409">[Christel Guillaume:] Endlich zu Hause und ich wäre so gern nicht allein gekommen, ich hätte Günter mitgebracht.</p>
      <p begin="01:13:37.434" id="p786" end="01:13:40.866">[Werner Großmann:] Ach natürlich. Herzlich Willkommen, herzlich Willkommen, Christel.</p>
      <p begin="01:13:41.364" id="p787" end="01:13:47.364">[Christel Guillaume:] Walter. Du bist ja so weiß geworden, etwa wegen mir?</p>
      <p begin="01:13:48.218" id="p788" end="01:13:50.965">[Walter:] Sei willkommen.<br />[Christel Guillaume:] Ja. Geh'n wir. <br />[Walter:] Komm. Komm.</p>
      <p begin="01:13:51.669" id="p789" end="01:13:53.223">[Zuknallen der Autotür]</p>
      <p begin="01:13:54.000" id="p790" end="01:14:02.584">[Werner Großmann:] Liebe Christel, erlaube, dass ich nochmal nach der ersten erregenden Stunde</p>
      <p begin="01:14:03.434" id="p791" end="01:14:11.986">dich in aller Form auf dem Boden unserer DDR, nach langjährigem Einsatz, willkommen heiße.</p>
      <p begin="01:14:12.679" id="p792" end="01:14:16.493">Und damit du weißt, dass das nicht nur leere Worte sind,</p>
      <p begin="01:14:16.518" id="p793" end="01:14:19.633">sondern, dass wir die ganze Zeit daran gedacht haben,</p>
      <p begin="01:14:19.658" id="p794" end="01:14:24.927">glaube ich dir eine besondere Freude machen zu können, wenn wir dir als aller erstes</p>
      <p begin="01:14:25.382" id="p795" end="01:14:29.975">auf unserem Boden das Dokument unserer Partei überreichen können,</p>
      <p begin="01:14:30.000" id="p796" end="01:14:32.735">deren langjähriges Mitglied du ja bist.</p>
      <p begin="01:14:33.127" id="p797" end="01:14:40.776">Liebe Christel, schau es dir an, es ist in der ganzen Zeit, glaube ich, gut und sauber geführt worden</p>
      <p begin="01:14:40.808" id="p798" end="01:14:44.244">und jetzt brauchst du auch nicht mehr im Verborgenen zu wirken,</p>
      <p begin="01:14:44.269" id="p799" end="01:14:46.975">jetzt kannst auch diese Nadel offen tragen.</p>
      <p begin="01:14:47.000" id="p800" end="01:14:52.398">Also recht schönen vielen Dank für alle erwiesene Treue.</p>
      <p begin="01:14:54.383" id="p801" end="01:14:57.938">[Sprecher:] Nach harten Jahren der Trennung, Wiedersehen mit den Vertrauten.</p>
      <p begin="01:14:58.177" id="p802" end="01:15:01.038">[Christel Guillaume:] Gut schaust aus.<br />[Anita:] Extra für dich.</p>
      <p begin="01:15:01.418" id="p803" end="01:15:02.320">[Sprecher:] Anita.</p>
      <p begin="01:15:03.000" id="p804" end="01:15:04.888">[Männliche Person 2:] Christel, willkommen zu Hause.</p>
      <p begin="01:15:07.224" id="p805" end="01:15:09.383">[Lachen]</p>
      <p begin="01:15:09.544" id="p806" end="01:15:11.476">[Christel Guillaume:] Ist das schön.<br />[Wolfgang:] Darauf hab ich jeden Tag gewartet.</p>
      <p begin="01:15:11.501" id="p807" end="01:15:11.872">[Sprecher:] Wolfgang.</p>
      <p begin="01:15:13.000" id="p808" end="01:15:15.000">[Christel Guillaume:] Was haben wir drauf gewartet.<br />[Wolfgang:] Christel.</p>
      <p begin="01:15:18.693" id="p809" end="01:15:22.611">[Christel Guillaume:] Heinz, mein Lieber, oh ja mein Lieber.</p>
      <p begin="01:15:23.411" id="p810" end="01:15:24.208">[Sprecher:] Heinz.</p>
      <p begin="01:15:26.710" id="p811" end="01:15:38.290">[Markus Wolf:] Jeder von euch kam auf den verschiedensten Wegen zu der Arbeit in den Reihen unseres Ministeriums.</p>
      <p begin="01:15:40.390" id="p812" end="01:15:50.272">Jeder war auf verschiedene Art und Weise darauf mehr oder auch weniger vorbereitet.</p>
      <p begin="01:15:52.303" id="p813" end="01:15:59.579">Aber euch alle verbindet, dass jeder einen bestimmten, schon ins Auge gefassten Weg</p>
      <p begin="01:16:00.900" id="p814" end="01:16:07.186">vorrübergehend für längere oder für kürzere Zeit aufgegeben hat</p>
      <p begin="01:16:07.739" id="p815" end="01:16:15.908">und ohne zu zögern diesen Kampfauftrach der Partei übernommen und auch ehrenvoll erfüllt hat.</p>
      <p begin="01:16:16.113" id="p816" end="01:16:24.860">Das' eine hervorragende Sache, wir können wirklich mit Recht stolz auf euch sein.</p>
      <p begin="01:16:27.467" id="p817" end="01:16:37.531">Ihr habt, wir sprachen von den 25 Jahren, nun schon mit neue Traditionen unseres Kampfes begründet.</p>
      <p begin="01:16:38.802" id="p818" end="01:16:42.802">Christel wurde noch von unserem Jenossen Paul,</p>
      <p begin="01:16:44.390" id="p819" end="01:16:49.390">hier glaube ich als "Der große Paul" bekannt, unserm Genossen Paul Laufer</p>
      <p begin="01:16:50.334" id="p820" end="01:16:52.879">auf den Weg geschickt mit Günter.</p>
      <p begin="01:16:54.630" id="p821" end="01:17:00.798">Paul verkörperte für uns die alten Traditionen des konspirativen Kampfes der Partei.</p>
      <p begin="01:17:01.489" id="p822" end="01:17:10.131">Paul arbeitete schon im Apparat der Aufklärung, so wie das die kommunistische Partei</p>
      <p begin="01:17:10.156" id="p823" end="01:17:16.416">in den Jahren der Vorbereitung des Kampfes gegen den Faschismus und der Auseinandersetzung</p>
      <p begin="01:17:16.765" id="p824" end="01:17:18.937">mit dem Faschismus geschaffen hatte.</p>
      <p begin="01:17:20.716" id="p825" end="01:17:28.716">Er war verhaftet und zeigte vor dem faschistischen Gericht sein' Mut, seine Standhaftigkeit</p>
      <p begin="01:17:29.056" id="p826" end="01:17:33.057">und übergab dann an uns die Stafette.</p>
      <p begin="01:17:33.376" id="p827" end="01:17:37.972">Du Christel gehörtest noch zu denen, die sie von ihm übernommen haben.</p>
      <p begin="01:17:38.475" id="p828" end="01:17:42.638">Nun lebt er schon etliche Jahre nicht mehr,</p>
      <p begin="01:17:43.049" id="p829" end="01:17:49.782">aber die Traditionen des Kampfes, des revolutionären, konspirativen Kampfes</p>
      <p begin="01:17:49.807" id="p830" end="01:17:54.939">der Partei der Arbeiterklasse sind durch unsere Arbeit,</p>
      <p begin="01:17:54.964" id="p831" end="01:18:00.740">durch solche Genossen wie euch lebendig und wir können stolz darauf sein.</p>
      <p begin="01:18:00.765" id="p832" end="01:18:07.780">Liebe Genossinnen, liebe Genossen, Kampfgefährten vieler Jahre,</p>
      <p begin="01:18:10.354" id="p833" end="01:18:16.354">dieser uns doch sehr bewegende Tag,</p>
      <p begin="01:18:18.156" id="p834" end="01:18:23.511">dieser Anlass liegt ja nun unmittelbar vor dem zehnten Parteitag</p>
      <p begin="01:18:24.384" id="p835" end="01:18:28.753">unsrer Sozialistischen Einheitspartei, der nächste Woche beginnt.</p>
      <p begin="01:18:30.291" id="p836" end="01:18:40.670">Es' eine sehr schöne Tradition geworden, dass die Kommunisten zum Parteitag ihre Leistungen,</p>
      <p begin="01:18:40.885" id="p837" end="01:18:47.702">ihre besonderen Anstrengungen zu Wohle des Volkes abrechnen vor der Partei.</p>
      <p begin="01:18:48.518" id="p838" end="01:18:51.927">Und so tun das auch unsere Kollektive,</p>
      <p begin="01:18:52.376" id="p839" end="01:18:57.376">so tun das auch unsere Kämpfer an der unsichtbaren Front.</p>
      <p begin="01:19:03.829" id="p840" end="01:19:07.616">[Sprecher:] Ein Festtag, ein neuer Kampfabschnitt im Leben der Partei,</p>
      <p begin="01:19:08.170" id="p841" end="01:19:10.975">ein neuer Lebensabschnitt im Kampf der Genossin Guillaume.</p>
      <p begin="01:19:11.000" id="p842" end="01:19:14.231">[Markus Wolf:] Liebe Christel, ich grüße dich ganz, ganz herzlich.</p>
      <p begin="01:19:18.000" id="p843" end="01:19:23.567">[Christel Guillaume:] Mich hat - ähm - deine Aula sehr beeindruckt, nich.</p>
      <p begin="01:19:23.737" id="p844" end="01:19:28.628">[Sprecher:] Bücher waren damals eine Brücke zur Heimat, auch Herrmann Kant's "Aula",</p>
      <p begin="01:19:28.653" id="p845" end="01:19:31.074">der Motto er das Heine-Wort voran stellt:</p>
      <p begin="01:19:32.000" id="p846" end="01:19:34.975">"Der heutige Tag ist ein Resultat des gestrigen.</p>
      <p begin="01:19:35.000" id="p847" end="01:19:40.000">Was dieser gewollt hat müssen wir erforschen, wenn wir zu wissen wünschen, was jener will."</p>
      <p begin="01:19:40.000" id="p848" end="01:19:42.000">[Christel Guillaume:] ... deswegen kam das alles ziemlich verzögerlich. <br />[Herrmann Kant:] Aha.</p>
      <p begin="01:19:42.992" id="p849" end="01:19:45.743">[Sprecher:] Die junge Sportlerin Barbara Pätzold,</p>
      <p begin="01:19:46.134" id="p850" end="01:19:49.688">der erfahrene Genosse Kreissekretär Kurt Schädlich aus Annaberg,</p>
      <p begin="01:19:49.713" id="p851" end="01:19:51.063">inzwischen leider verstorben.</p>
      <p begin="01:19:51.469" id="p852" end="01:19:54.000">Er gehörte zu jenen Parteifunktionären bei denen die Tschekisten</p>
      <p begin="01:19:54.025" id="p853" end="01:19:58.133">immer ein offenes Ohr und ein gutes Wort fanden.</p>
      <p begin="01:19:58.158" id="p854" end="01:19:59.975">[Lachen]</p>
      <p begin="01:20:00.000" id="p855" end="01:20:02.264">[Christel Guillaume:] Nach der Begeisterung, die ihr zum Ausdruck [unverständlich],</p>
      <p begin="01:20:02.289" id="p856" end="01:20:05.000">dass ich das auch irgendwann einmal zu sehen bekomme,</p>
      <p begin="01:20:05.000" id="p857" end="01:20:06.029">denn das wäre...</p>
      <p begin="01:20:06.054" id="p858" end="01:20:10.937">[Sprecher:] Hier mit Ursel Lorenzen und Sigmund Jähn, unserem ersten Kundschafter im All.</p>
      <p begin="01:20:11.546" id="p859" end="01:20:16.992">[Christel Guillaume:] ... als Krönung auch ansehen wurde [unverständlich] das Leben was wir erlebt haben möchte.</p>
      <p begin="01:20:18.000" id="p860" end="01:20:22.000">[Sprecher:] Er hat während der Haftzeit viel für die Guillaumes getan, Michael Kohl,</p>
      <p begin="01:20:22.000" id="p861" end="01:20:24.929">unser ehemaliger Leiter der DDR-Vertretung in Bonn.</p>
      <p begin="01:20:26.859" id="p862" end="01:20:30.609">[Christel Guillaume:] - äh - also sonst keine Fragen. Das ist logisch.</p>
      <p begin="01:20:32.117" id="p863" end="01:20:34.445">[Sprecher:] Herzerfrischende Begegnung mit der Jugend.</p>
      <p begin="01:20:37.000" id="p864" end="01:20:43.000">[Markus Wolf:] Jetz möcht ich euch beiden mal 'n paar Genossen von unserer Tschekistendelegation vorstellen.</p>
      <p begin="01:20:44.000" id="p865" end="01:20:47.570">Hans wo bist du?<br />[Hans Fruck:] Hier isser.<br />[Markus Wolf:] Hier Genosse General Fruck,</p>
      <p begin="01:20:48.000" id="p866" end="01:20:52.195">ist von der Sowjetarmee aus'm Zuchthaus Brandenburg befreit worden,</p>
      <p begin="01:20:52.812" id="p867" end="01:20:56.804">dort unser Genosse Generalleutnant Karl Kleinjung,</p>
      <p begin="01:20:56.829" id="p868" end="01:21:02.265">der kämpfte schon in Spanien mit der Sowjetarmee hinter der Front</p>
      <p begin="01:21:03.000" id="p869" end="01:21:05.226">und von denen haben wir die Stafette übernommen.</p>
      <p begin="01:21:06.000" id="p870" end="01:21:10.421">Ihr habt se 'n Stück getragen, nun werd'n se die andern, die jung' Genossen weiter tragen.</p>
      <p begin="01:21:11.000" id="p871" end="01:21:13.093">Also das sind einige.</p>
      <p begin="01:21:13.875" id="p872" end="01:21:18.961">[Lauf- und Sprunggeräusche]</p>
      <p begin="01:21:19.070" id="p873" end="01:21:21.695">[Ausbilder:] Die Waffe früher, früher, ja. Jetzt anlaufen!</p>
      <p begin="01:21:22.327" id="p874" end="01:21:24.125">[Sprecher:] Der Nachwuchs muss hart ran,</p>
      <p begin="01:21:24.428" id="p875" end="01:21:29.671">Günter sieht es bei einem Besuch im Übungsgelände des Wachregiments Feliks Dzierzynski auf der Kampfbahn.</p>
      <p begin="01:21:35.516" id="p876" end="01:21:37.797">[Klettergeräusche]</p>
      <p begin="01:21:37.822" id="p877" end="01:21:40.578">[Ausbilder 2:] Jetz hat er seine eigene Variante genommen.</p>
      <p begin="01:21:42.000" id="p878" end="01:21:44.000">[Sprecher:] Leistungsvergleich auf dem Schießstand.</p>
      <p begin="01:21:44.773" id="p879" end="01:21:49.867">[Lüder:] Die erste Unteroffiziersausbildungskompanie beim Schießen der Grundübung MP StKPA Major Lüder.</p>
      <p begin="01:21:50.117" id="p880" end="01:21:58.036">[Offizier:] Dankeschön. [Durcheinandergerede] Genosse Lüder saß mit im Forum.</p>
      <p begin="01:21:58.061" id="p881" end="01:21:58.684">[Günter Guillaume:] Hallo.</p>
      <p begin="01:21:58.999" id="p882" end="01:22:00.366">[Offizier:] Und, wie geht's von statten?</p>
      <p begin="01:22:01.000" id="p883" end="01:22:04.000">[Lüder:] Das ist das Komplizierte, also die laufende Scheibe, die Ringscheibe wird im Wesentlichen</p>
      <p begin="01:22:04.000" id="p884" end="01:22:07.562">immer erfüllt, also die Ringzahl ist nunmal in Ausnahme bei einem Genossen</p>
      <p begin="01:22:07.812" id="p885" end="01:22:13.000">und dort - öh - geht es darum, dass wir das aufschreiben, was wir an Erfahrung bei ihm erkannt haben</p>
      <p begin="01:22:13.000" id="p886" end="01:22:14.898">und das wir im nächsten Schießtraining mit ihm auswerten.</p>
      <p begin="01:22:15.319" id="p887" end="01:22:19.140">Bei Nacht schießen wir zweimal in knienden Schützen auf 100 Meter Entfernung.</p>
      <p begin="01:22:20.000" id="p888" end="01:22:31.890">[Ausbilder:] Auf Ringscheibe! Drei! Ziel aufsitzen! Drei Schuss, Einzelfeuer! Feuer! [Von Soldaten wiederholt]</p>
      <p begin="01:22:32.656" id="p889" end="01:22:41.414">[Schussgeräusche]</p>
      <p begin="01:22:42.882" id="p890" end="01:22:47.335">[Soldat:] Ich möchte dazu mal sagen, wir machen hier heut unsre Schießübung gemacht, unsre erste</p>
      <p begin="01:22:48.078" id="p891" end="01:22:51.319">und im Gegensatz für uns is dit ein kleiner Beitrach.</p>
      <p begin="01:22:51.874" id="p892" end="01:22:54.976">'Is nun unsre Arbeit hier zu tun, wir müssen hier schießen.</p>
      <p begin="01:22:55.319" id="p893" end="01:22:58.498">Dit is nich vergleichbar mit den Einsatz inner unsichtbaren Front,</p>
      <p begin="01:22:58.523" id="p894" end="01:23:03.163">wir schinden uns hier zwar ab, is zwar alles körperlich anstrengend für uns.</p>
      <p begin="01:23:03.460" id="p895" end="01:23:06.357">[Soldat 2:] - Äh - wenn es zu kriegerischen Auseinander-se-setzungen kommt,</p>
      <p begin="01:23:06.382" id="p896" end="01:23:11.000">dass wir dann mit der Waffe in der Hand diesen - äh - unseren sozialistischen Staat,</p>
      <p begin="01:23:11.000" id="p897" end="01:23:14.968">unsere sozialistische Klassengemeinschaft - äh - verteidigen, ja.</p>
      <p begin="01:23:15.124" id="p898" end="01:23:18.912">Diese zu erfüllen müssen wir eben alles vorher proben,</p>
      <p begin="01:23:18.937" id="p899" end="01:23:23.919">denn es, es, es geht ja darum, der Feind lauert, is ja nur darauf abjesehen,</p>
      <p begin="01:23:23.944" id="p900" end="01:23:26.827">dass, dass er, wenn wir eine, bei uns eine Schwäche auftritt, ja,</p>
      <p begin="01:23:26.852" id="p901" end="01:23:29.929">dass er diese sofort ausnutzt und zu kriegerischen Auseinandersetzugen</p>
      <p begin="01:23:29.954" id="p902" end="01:23:31.975">und für diese Augenblick müssen wir gerüstet sein.</p>
      <p begin="01:23:32.600" id="p903" end="01:23:36.599">Und darum is' es jetz lieber mehr jetzt ein Tropfen Schweiß mehr zu vergießen</p>
      <p begin="01:23:36.624" id="p904" end="01:23:38.429">als nachher ein' Tropfen Blut, ja.</p>
      <p begin="01:23:39.155" id="p905" end="01:23:43.679">[Günter Guillaume:] Also, ich möchte doch noch mal betonen, dass mich begeistert eure Einsatzbereitschaft,</p>
      <p begin="01:23:43.704" id="p906" end="01:23:48.508">denn ihr müsst ja im Rahmen eurer Ausbildung euch auch - äh - im Klaren sein,</p>
      <p begin="01:23:49.000" id="p907" end="01:23:52.623">ihr könnt jederzeit damit konfrontiert werden,</p>
      <p begin="01:23:52.648" id="p908" end="01:23:55.508">genauso wie der Kundschafter an der unsichtbaren Front,</p>
      <p begin="01:23:56.000" id="p909" end="01:23:59.975">einer, auf eine feindliche Handlung zu reagieren,</p>
      <p begin="01:24:00.468" id="p910" end="01:24:01.975">so will ich's mal darstellen.</p>
      <p begin="01:24:02.000" id="p911" end="01:24:03.358">Wir wollen nicht von Krieg reden,</p>
      <p begin="01:24:03.383" id="p912" end="01:24:08.078">aber Provokationen des Gegners an der Grenze hat's ja wohl schon genuch gegeben. <br />[Soldat:] Ja.</p>
      <p begin="01:24:08.374" id="p913" end="01:24:13.726">[Soldat 3:] Ich wollte sagen und wir soll'n uns körperlich drauf vorbereiten den Frieden zu erhalten</p>
      <p begin="01:24:13.751" id="p914" end="01:24:17.000">und da ist der Kundschafter, der Vorpo, unser Vorposten,</p>
      <p begin="01:24:17.000" id="p915" end="01:24:21.000">denn alles das was er uns vorher sagt, brauchen wir</p>
      <p begin="01:24:21.000" id="p916" end="01:24:25.069">sozusagen nie versuchen mit Gewalt zurückzuhalten.</p>
      <p begin="01:24:26.000" id="p917" end="01:24:31.741">Genosse Oberstleutnant, ich möchte Ihnen ein Geschenk überreichen aus Anlass,</p>
      <p begin="01:24:32.000" id="p918" end="01:24:34.499">dass Sie heut hier gewesen sind möcht ich Ihnen danken dafür</p>
      <p begin="01:24:34.992" id="p919" end="01:24:37.818">und Ihnen sagen, dass das was sie geleistet haben</p>
      <p begin="01:24:37.843" id="p920" end="01:24:42.202">und was alle anderen Genossen n der unsichtbaren Front weiterhin jetzt leisten in diesem Moment</p>
      <p begin="01:24:42.710" id="p921" end="01:24:47.796">für uns Vorbild is und wir weiterhin versuchen um die bestmöglichsten Ergebnisse zu kämpfen.</p>
      <p begin="01:24:50.000" id="p922" end="01:24:50.804">[Günter Guillaume:] Danke euch.</p>
      <p begin="01:24:50.829" id="p923" end="01:24:51.920">[Applaus]</p>
      <p begin="01:24:51.945" id="p924" end="01:24:55.046">[Soldat 3:] Das hat, hat einer aus unsrer Kompanie gemalt</p>
      <p begin="01:24:55.820" id="p925" end="01:24:59.023">und soll sie daran erinnern, dass Sie heute an diesem Tag hier draußen waren.</p>
      <p begin="01:24:59.273" id="p926" end="01:25:06.460">[Sänger:] Genossen ihr werdet nicht oft besungen, nunja, das wäre taktisch nicht klug.</p>
      <p begin="01:25:06.485" id="p927" end="01:25:12.975">[Sprecher:] Manifestation der Jugend, auch dieser und den kommenden Generationen soll der Friede erhalten bleiben.</p>
      <p begin="01:25:13.523" id="p928" end="01:25:17.123">Das ist der edle Sinn und das hohe Ziel des Kundschafterauftrags.</p>
      <p begin="01:25:17.148" id="p929" end="01:25:24.827">[Sänger:] Genossen wir schaffen hier eine Basis, wir stärken unsere Revolution.</p>
      <p begin="01:25:26.000" id="p930" end="01:25:34.038">Steht ihr euren Mann im Auftrag des Friedens, den Rücken stärken wir euch schon.</p>
      <p begin="01:25:34.750" id="p931" end="01:25:41.593">Genossen ihr werdet nicht oft besungen, nunja, das wäre taktisch nicht klug.</p>
      <p begin="01:25:42.265" id="p932" end="01:25:45.913">Drum sei auch dies Lied recht schnell verklungen,</p>
      <p begin="01:25:46.413" id="p933" end="01:25:48.749">wir wissen schon, was ihr für uns tut.</p>
    </div>
  </body>
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